BANSON als Motor der regionalen Startup-Szene

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18.06.2026

Seit über zwei Jahrzehnten Impulsgeber für Gründergeist und Innovation

Die Startup-Szene gilt als Gradmesser für Innovationskraft und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit einer Region. Während Metropolen wie Berlin oder München längst als Gründer-Hotspots etabliert sind, entwickelt sich auch Südostniedersachsen zunehmend zu einem dynamischen Ökosystem für innovative Gründungen. Eine zentrale Rolle spielt dabei seit mehr als zwei Jahrzehnten das Business Angel Netzwerk BANSON – und sein Vorstandsvorsitzender Ralf Geishauser, der die Entwicklung der regionalen Startup-Landschaft maßgeblich mitprägt.

Wie lebendig und vernetzt die Szene inzwischen ist, zeigte zuletzt auch der BANSON-Matchingabend am 19. Mai 2026 bei uns im Haus der Wirtschaft. Dort trafen frühphasige Startups auf erfahrene Investorinnen und Investoren, um Geschäftsideen, Wachstumsstrategien und Finanzierungsmöglichkeiten zu diskutieren. Gleichzeitig wurde deutlich, wie stark sich das regionale Innovationsökosystem in den vergangenen Jahren entwickelt hat – getragen von Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Netzwerken wie BANSON.

Welche Rolle Business Angels dabei spielen, warum sogenannte Innovationsscouts für Unternehmen immer wichtiger werden und welche Chancen insbesondere die Region Braunschweig-Wolfsburg als Standort für Startup-Unternehmen künftig hat, darüber haben wir mit Ralf Geishauser gesprochen. 

Von der Idee zum Netzwerk

Als der banson e. V. vor 23 Jahren gegründet wurde, war die Idee noch vergleichsweise neu: Fünf Business Angels wollten gemeinsam mit den Städten Braunschweig und Wolfsburg privates Kapital, Erfahrung und Netzwerke bündeln, um junge Unternehmen in der Frühphase zu unterstützen. „Unser Ziel war es im Endeffekt, das Business-Angel-Tun bekannter zu machen“, erinnert sich Geishauser. Heute ist daraus ein breit aufgestelltes Netzwerk geworden. Neben Braunschweig und Wolfsburg gehören inzwischen auch Lüneburg, Hannover und Wolfenbüttel zum Wirkungsgebiet. Perspektivisch könnte auch Göttingen folgen. Mit mittlerweile rund 80 bis 100 Mitgliedern hat sich das Netzwerk professionalisiert.

Herzstück der Arbeit sind die sogenannten Matching-Abende – wie zuletzt unter dem Dach des AGV Region Braunschweig. Für gewöhnlich präsentieren dort insgesamt vier Startups ihre Ideen vor potenziellen Investoren. „Bei uns sitzen nicht fünf Löwen sondern 30 bis 50 Business Angels im Raum“, erklärt Geishauser. Anders als in der TV-Sendung „Höhle des Löwen“ gehe es weniger um Dramaturgie – sondern um echte Finanzierung. „Die Hoffnung ist, dass einer oder mehrere sagen: Ich investiere – und werde Teil des Unternehmens.“ Dabei schließen sich Investoren häufig zusammen. „Wenn ein Startup 600.000 Euro braucht, dann syndizieren wir – mehrere investieren gemeinsam“, so Geishauser. Die eigentliche Dynamik entstehe oft erst im anschließenden Austausch: Kontakte werden geknüpft, Kooperationen ausgelotet und Finanzierungen konkretisiert.

Investitionen in Startups bleiben dabei ein Geschäft mit Risiken. „Ein Drittel läuft sehr erfolgreich, ein Drittel so vor sich hin – und ein Drittel scheitert komplett“, sagt Geishauser. Geduld sei entscheidend: „Häufig dauert es vier, fünf oder sogar zehn Jahre, bis ein Investment wirklich erfolgreich wird.“ Dass sich dieser lange Atem auszahlen kann, zeigt ein Beispiel aus Braunschweig: Das Startup Okapi Orbit begann mit einer Frühphasenfinanzierung von rund 265.000 Euro durch Business Angels. „Heute hat das Unternehmen mehrere Millionen Euro eingesammelt und arbeitet international“, sagt Geishauser. Die Technologie zur Beobachtung von Weltraumschrott wird weltweit eingesetzt. Solche Erfolgsgeschichten sind eng mit der regionalen Forschungslandschaft verknüpft. „70 bis 80 Prozent der Gründungen kommen aus Hochschulen, vor allem von der TU Braunschweig“, erklärt er. 

Forschung, Innovation und neue Impulse

Während Universitäten als wichtige Impulsgeber für Ausgründungen gelten, rücken zunehmend auch außeruniversitäre Forschungseinrichtungen in den Blick. Dazu zählen in der Region unter anderem das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) sowie das Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Diese Einrichtungen verfügen über eine hohe wissenschaftliche Expertise und beschäftigen zahlreiche Forschende in technologisch anspruchsvollen Bereichen. Gleichzeitig entstehen aus diesem Umfeld bislang vergleichsweise wenige Startups. „Das Gründungsverhalten ist dort weit unterrepräsentiert – obwohl die Forschung oft noch stärker ist“, sagt Geishauser. Als Gründe nennt er vor allem strukturelle Rahmenbedingungen: Viele dieser Einrichtungen sind primär auf Grundlagenforschung und staatliche Forschungsaufträge ausgerichtet. Der Transfer von Forschungsergebnissen in marktfähige Produkte und Unternehmensgründungen spielt bislang eine geringere Rolle.

Geishauser plädiert daher für einen stärkeren Fokus auf Technologietransfer und Gründungsförderung innerhalb dieser Institutionen. „Pro tausend Mitarbeiter sollten vier Personen gezielt für Gründung und Transfer arbeiten“, so seine Einschätzung. Auch die Rolle der Städte hat sich verändert. Braunschweig und Wolfsburg gehörten von Beginn an zu den Unterstützern des Netzwerks – allerdings mit unterschiedlichen Phasen der Aktivität. „Zurzeit ist die Startup-Förderung in beiden Städten so stark wie nie“, sagt Geishauser. Besonders Braunschweig habe zuletzt deutlich aufgeholt, während Wolfsburg nach schwierigen Jahren wieder aktiver werde.

Innovationsscouts: Brücke zwischen Mittelstand und Startup-Welt

Ein zunehmend wichtiger Baustein im Zusammenspiel von Wirtschaft und Startup-Szene ist das Konzept der sogenannten Innovationsscouts. Gerade für mittelständische und größere Unternehmen bietet die Mitgliedschaft im banson-Netzwerk die Möglichkeit, gezielt Mitarbeitende in diese Rolle zu bringen. Die Idee: Unternehmen entsenden eine ausgewählte Führungskraft oder Nachwuchsführungskraft als Innovationsscout in das Netzwerk. Dort beobachtet sie gezielt neue Geschäftsmodelle, Technologien und Produktideen aus der Startup-Szene. „Diese Mitarbeiter schauen sich Innovationen an und bringen Impulse zurück ins Unternehmen“, erklärt Ralf Geishauser.
Im Kern geht es darum, Innovation nicht nur intern zu entwickeln, sondern gezielt von außen aufzunehmen. Der Innovationsscout analysiert, welche Ansätze sich auf das eigene Unternehmen übertragen lassen – sei es in Form einzelner Technologien, Prozesse oder ganzer Geschäftsmodelle. 

Darüber hinaus eröffnen sich konkrete Kooperationsmöglichkeiten: Startups können als Dienstleister eingebunden werden, gemeinsame Projekte entstehen oder Unternehmen beteiligen sich direkt finanziell an vielversprechenden Gründungen. „Dann haben wir ein Win-win für alle Seiten“, so Geishauser. Neben dem Innovationsaspekt spielt auch die Personalentwicklung eine zentrale Rolle. Die entsandten Mitarbeitenden erweitern ihr Netzwerk, sammeln Erfahrungen im Umgang mit jungen Unternehmen und entwickeln ein besseres Verständnis für neue Märkte und Technologien. „Die zukünftige Führungskraft baut sich ein regionales Netzwerk auf – das ist enorm wertvoll“, sagt Geishauser.

Ralf Geishauser beim Matchingabend im Haus der Wirtschaft (19. Mai 2026)
Eröffnungskeynote AGV-Hauptgeschäftsführer Lars Alt
Zwischen Förderung, Trends und Zukunftsperspektiven

Anders als in klassischen Startup-Metropolen dominiert in Südostniedersachsen kein einzelner Trend. „Früher war Software ganz klar vorne. Heute ist das Spektrum viel breiter“, so Geishauser. Neben IT und Cybersecurity spielen auch Biotechnologie, Nachhaltigkeit und industrielle Innovationen eine große Rolle. Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei, das sogenannte „Impact“-Thema. Gemeint sind Startups, die nicht nur wirtschaftlich erfolgreich sein wollen, sondern zugleich einen messbaren positiven Effekt auf Umwelt oder Gesellschaft anstreben – etwa durch nachhaltige Materialien, ressourcenschonende Produktion oder neue soziale Dienstleistungen. „Das Thema Impact ist in den letzten Jahren enorm gewachsen“, betont Geishauser. Die Förderlandschaft ist umfangreich. Programme wie EXIST oder der High-Tech Gründerfonds bieten vielfältige Unterstützung. „Die Förderung ist so groß wie nie – von Stadt, Land, Bund und EU“, sagt Geishauser. 

Dennoch gebe es strukturelle Probleme: Bürokratie, langsame Gründungsprozesse und komplexe EU-Regeln. „Wenn man in mehreren Ländern tätig sein will, muss man heute oft mehrere Firmen gründen – das ist für Startups extrem schwierig.“ Ein zentrales Zukunftsprojekt sieht Geishauser im Aufbau eines modernen Makerspace – eines „Technologieparks 2.0“. „Wenn ich einen Prototyp bauen will, brauche ich Maschinen, die ich mir als Gründer nicht leisten kann“, erklärt er. Ziel sei eine Infrastruktur, die genau das ermöglicht – idealerweise in Nähe der Universität.

Trotz aller Herausforderungen bleibt Geishauser optimistisch: „Ich wünsche mir, dass alle Player ihren Beitrag leisten – und dass wir unsere Innovationskraft stärker in Produkte umsetzen.“ Der internationale Wettbewerb sei längst Realität. „Andere Länder haben uns in vielen Bereichen überholt“, warnt er. Unsere Region hat dafür gute Voraussetzungen – und mit Netzwerken wie BANSON eine solide Basis. Ob daraus ein führender Startup-Standort wird, entscheidet sich jetzt!

Bildquellen:
Matchingabend – Ela Walentek (AGV)
Titelbild – KI-generiert