10 Jahre i³systems – Eine Allianz mit Zukunft

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02.09.2026

Norddeutschlands größter IT-Verbund feiert Jubiläum:

 

Was vor zehn Jahren als Antwort auf eine Konsolidierungswelle in der IT-Branche begann, ist heute der nach eigenen Angaben größte Unternehmensverbund für IT, Engineering und Business Consulting in Norddeutschland: i³systems vereint inzwischen 26 inhabergeführte mittelständische Unternehmen mit mehr als 1.850 Fachkräften. Zum Jubiläum haben wir mit i³systems-Geschäftsführerin Jana Schendel und Ron Kneffel gesprochen, der als Sonderbeauftragter für Public Affairs und Strategische Allianzen die Vernetzung und Positionierung des Verbundes vorantreibt. Im Gespräch ging es um die Stärke des Zusammenschlusses, die Transformation der Region, neue Märkte, Künstliche Intelligenz und die Frage, warum digitale Souveränität für den Mittelstand immer wichtiger wird.

Ron Kneffel und Jana Schendel haben Grund zum Feiern!

Aus Wettbewerbern werden Partner

Die Geburtsstunde von i³systems fiel in eine Zeit, in der große Konzerne ihre Dienstleisterstrukturen deutlich verschlankten. Statt mit einer Vielzahl kleinerer Software- und IT-Unternehmen wollten sie verstärkt mit größeren Partnern zusammenarbeiten. Für regionale Mittelständler stellte sich damit eine entscheidende Frage: Wie können wir unsere Eigenständigkeit bewahren und gleichzeitig groß genug sein, um bei komplexen Aufträgen weiter berücksichtigt zu werden? Die Antwort war ein Verbund, der Kompetenzen, Fachkräfte und Technologien zusammenführt. Aus zunächst sechs Gründungsmitgliedern ist inzwischen ein Netzwerk aus 26 Unternehmen entstanden. Der Ansatz: die Schlagkraft eines großen IT-Dienstleisters entwickeln, ohne die Flexibilität und kurzen Entscheidungswege mittelständischer Unternehmen aufzugeben.

Für Geschäftsführerin Jana Schendel liegt genau darin das Erfolgsrezept: „Das Ziel von i³systems ist es, die besten Talente und Technologien zu bündeln, um Kunden maximalen Mehrwert zu bieten. Unser Modell basiert auf Transparenz und Vertrauen.“ Dass ein solcher Zusammenschluss über ein Jahrzehnt funktioniert, ist keineswegs selbstverständlich. Schließlich arbeiten eigenständige Unternehmen mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen und Interessen zusammen. Für Schendel überwiegen klar die Vorteile: „Da sind wir einfach gemeinsam stärker im Verbund, wo wir das Know-how der Einzelnen zusammenlegen und die Themen gemeinsam angehen.“ Dabei geht es längst um mehr als gemeinsame Kundenprojekte. Die Unternehmen investieren gemeinsam in Wissen und Zukunftstechnologien. „Wir bauen das auf, wir investieren gemeinsam – sei es in Schulungen, sei es in Hardware –, um wirklich zusammen voranzukommen“, so Schendel.

„Wir müssen das selbst in die Hand nehmen“

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten könnte dieses Prinzip wichtiger werden. Die Transformation der Automobilindustrie, Kostendruck, Fachkräftebedarf und geopolitische Unsicherheiten treffen die Wirtschaftsregion Braunschweig-Wolfsburg mit besonderer Wucht. Kneffel sieht dennoch keinen Grund, den Standort kleinzureden. „Wir müssen uns als Wirtschaft jetzt selbst bewegen. Wir dürfen nicht darauf warten, dass die Politik für uns etwas regelt.“ Und genau diesen Ansatz sieht er inzwischen bei ersten Unternehmen: Investitionen, die aus Unsicherheit zunächst zurückgehalten wurden, würden wieder angestoßen. Für Kneffel ist das ein zartes Pflänzchen, das zusammen mit ersten positiveren Konjunktursignalen Hoffnung macht. Seine These: Die Wirtschaft beginnt wieder stärker auf die eigene Kraft zu vertrauen und erkennt, dass notwendige Investitionen nicht dauerhaft aufgeschoben werden können.

Auch für die Automobilindustrie der Region bleibt Kneffel grundsätzlich optimistisch. Transformation bedeute für ihn nicht zwangsläufig Niedergang. „In einer Krise entscheidet sich erst, ob daraus etwas Gutes oder etwas Schlechtes entsteht.“ Die anstehende Transformation werde Veränderungen und Einschnitte mit sich bringen, dennoch ist Kneffel überzeugt, dass Niedersachsen auch in zehn Jahren ein starker Automobilstandort sein kann – dann allerdings stärker geprägt von neuen Antriebstechnologien und veränderten Geschäftsmodellen.

 

Wie ein tiefgreifender Strukturwandel gelingen kann, zeigt für Kneffel das Beispiel Bochum. Die Stadt musste mit dem Ende der Automobil-Produktion einen massiven industriellen Einschnitt verkraften und hat sich seitdem neue wirtschaftliche und technologische Perspektiven erschlossen. „Bochum ist uns sieben bis zehn Jahre voraus, was die Transformation der gesamten Wirtschaft betrifft“, sagt Kneffel. Aus einem stark von der Automobilindustrie geprägten Standort sei dort ein neues Umfeld für Digitalisierung und innovative Technologien entstanden. Genau diese Chance sieht die i3systems auch für Niedersachsen. „Wir haben Technologie im Land. Wir haben Spitzenschlüsseltechnologien, die hier entwickelt werden.“ Allerdings müsse die IT- und Digitalwirtschaft stärker als eigenständiger Standortfaktor wahrgenommen werden. Kneffels Botschaft: „Niedersachsen kann nicht nur Agrar, Wasserstoff und Automobil. Niedersachsen kann vor allem eines: Technologie und Innovation.“

Neue Märkte: Potenzial in der Verteidigungsindustrie

Transformation bedeutet für Kneffel auch, neue Märkte und Anwendungsfelder in den Blick zu nehmen – und sich dabei dem Bereich Verteidigung nicht zu verschließen. i³systems engagiert sich deshalb auch im Rüstungscluster der Unternehmerverbände Niedersachsen. Gerade Niedersachsen verfüge mit seiner industriellen und technologischen Basis über großes Potenzial, etwa bei Künstlicher Intelligenz, Drohnentechnologien, Drohnenabwehr und weiteren sicherheitsrelevanten digitalen Anwendungen. Gleichzeitig warnt Kneffel davor, Verteidigung als einfachen Ersatzmarkt für wegbrechendes Automotive-Geschäft zu betrachten. Vielmehr gehe es darum, vorhandene technologische Kompetenzen dort einzubringen, wo sie für Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit benötigt werden. Für i³systems könne daraus ein zusätzliches Geschäftsfeld entstehen – verbunden mit der Frage, wie Schlüsseltechnologien und Know-how in Deutschland und Europa gehalten und damit auch die digitale Souveränität gestärkt werden können.

KI: Werkzeug statt Allheilmittel

Ein Technologiethema steht dabei besonders im Fokus. Künstliche Intelligenz spielte bei der Gründung von i³systems vor zehn Jahren kaum eine Rolle. Heute verändert sie nahezu jedes Geschäftsfeld des Verbundes. Kneffel warnt vor überzogenen Erwartungen: „Wir müssen KI als Werkzeug verstehen und nicht als Allheilmittel. KI wird nicht alle unsere Probleme lösen.“ Entscheidend bleibe das technologische Fundament. Unternehmen müssten ihre Systeme, Daten und IT-Architekturen verstehen und beherrschen. „KI kann uns noch so viel Arbeit abnehmen. Wenn ich die Architektur dahinter nicht verstehe, wird KI in der Umsetzung scheitern.“ Gerade hier zeigt sich erneut die Stärke des Verbundmodells. Die Mitgliedsunternehmen decken ein breites Spektrum ab – von etablierten IT-Systemen über Softwareentwicklung und IT-Architektur bis zu Machine Learning, Data Science, Cybersecurity und KI-Anwendungen. Was für ein einzelnes mittelständisches Unternehmen kaum abzudecken wäre, kann im Verbund zusammengeführt werden.

Talente entwickeln und in der Region halten

Transformation bedeutet aber nicht nur neue Technologien. Sie verändert auch die Aufgaben der Beschäftigten. Jana Schendel sieht darin eine Chance: „Wir haben die Möglichkeit, unsere Mitarbeiter hier vor Ort weiterzuentwickeln“ und sie für neue Themenfelder zu qualifizieren. Auch Kneffel plädiert für einen breiteren Talentbegriff. Gefragt seien nicht ausschließlich Hochschulabsolventinnen und -absolventen. „Talente sind für mich auch Quereinsteiger und hochmotivierte Menschen, die verstanden haben, dass IT und Digitalisierung ein Zukunftsmarkt sind.“ Entscheidend sei, diesen Menschen Perspektiven in Niedersachsen zu bieten und damit Know-how und Fachkräfte in der Region zu halten. Dabei setzt i³systems bewusst auf starke regionale Netzwerke. Den Arbeitgeberverband der Region Braunschweig sieht der Verbund als wichtigen Partner und Sparringspartner, insbesondere bei der Transformation der regionalen Wirtschaft, Fachkräftethemen und der Vernetzung mit Unternehmen unterschiedlicher Branchen. Kneffel verweist auf den engen Austausch mit AGV-Hauptgeschäftsführer Lars Alt, der auch bei der Jubiläumsveranstaltung am 16. September auf dem Podium vertreten sein wird. 

Shoring: „Fluch und Segen zugleich“

Zur Transformation der IT-Branche gehört auch die internationale Arbeitsteilung. i³systems und seine Mitgliedsunternehmen setzen bereits auf Near- und Offshore-Strukturen. Für Kneffel ist das ein notwendiger, aber ambivalenter Weg: „Shoring ist Fluch und Segen zugleich.“ Einerseits bestehe das Risiko, dass Tätigkeiten und Know-how aus Deutschland abwandern. Andererseits sei internationale Arbeitsteilung angesichts des Kosten- und Wettbewerbsdrucks kaum auszublenden. „Um wettbewerbsfähig zu sein, brauchen wir Shoring – in einem gesunden Maße“, sagt Kneffel. Entscheidend sei, welche Kompetenzen vor Ort bleiben. Shoring funktioniere nicht dadurch, Aufgaben schlicht ins Ausland zu verlagern. Internationale Teams müssten geführt, Kundenanforderungen übersetzt und Projekte über Sprach-, Kultur- und Zeitzonengrenzen hinweg gesteuert werden. Gerade anspruchsvolle Steuerungs-, Management- und Technologiekompetenzen sollen deshalb in Deutschland erhalten und ausgebaut werden.

Schendel sieht darin auch eine Chance für die Beschäftigten: Wenn Aufgaben neu verteilt werden, können sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hierzulande in neue Themenfelder weiterentwickeln. Erfahrungen mit internationalen Strukturen bringen Mitgliedsunternehmen bereits aus Ländern wie Griechenland, Ungarn und Indien mit.

Digitale Souveränität beginnt nicht in der Cloud

Damit schlägt i³systems zugleich die Brücke zur digitalen Souveränität. Für Kneffel gehört auch die Frage, wo Software entwickelt wird und von welchen internationalen Ressourcen ein Unternehmen abhängig ist, zu einer umfassenden Souveränitätsstrategie. Ein Wechsel des Cloud-Anbieters allein mache ein Unternehmen noch lange nicht unabhängig. „Wenn wir über digitale Souveränität sprechen, müssen wir Souveränität erst einmal richtig verstehen.“ Dazu gehörten neben Software und Cloud-Infrastrukturen auch Halbleiter, Lieferketten, Fachkräfte, internationale Entwicklungsstandorte und Abhängigkeiten von einzelnen Technologieanbietern. Unternehmen sollten deshalb ihre Abhängigkeiten kennen und stärker auf sogenannte Multi-Vendor-Strategien setzen – also wichtige Technologien und Dienstleistungen bewusst auf mehrere Anbieter verteilen. Angesichts geopolitischer Spannungen werde dies zunehmend zu einem unternehmerischen Risikothema. i³systems will sich hier als regional und europäisch verankerter Technologiepartner positionieren. 

Wachstum heißt nicht nur mehr Umsatz

Nach zehn Jahren richtet sich der Blick längst nach vorn. Wachstum soll bei i³systems nicht allein über Umsatzzahlen definiert werden. Der Verbund will weitere Partner gewinnen, die neue Technologien, Kompetenzen und Zielmärkte einbringen und i³systems damit noch breiter und resilienter aufstellen. Schon heute reicht das Spektrum weit über Automotive hinaus. Die Unternehmen arbeiten unter anderem für Bahn- und Energiewirtschaft, Finanzwesen und Raumfahrt. Hinzu kommen Projekte in der Landtechnik und sogar in der Krebszellenforschung, sagt Schendel. Gerade diese Vielfalt wolle man laut Schendel künftig stärker sichtbar machen: „Wir sind seit zehn Jahren erfolgreich und möchten nicht nur als Verbund aus dem Automotive-Bereich wahrgenommen werden. Wir machen viel mehr.“

Das Jubiläum wird in Braunschweig mit rund 150 Gästen aus Wirtschaft, Politik und Region gefeiert. Einer, der die Anfänge von i³systems aus nächster Nähe miterlebt hat, kehrt zum Jubiläum in neuer Funktion zurück: Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies wird als Ehrengast erwartet. Als i³systems 2016 gegründet wurde, war Lies niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr – und begleitete den Verbund bereits damals.

Nach zehn Jahren ist i³systems damit selbst ein Beispiel für eine Idee, die angesichts der Transformation wieder besonders aktuell erscheint: Mittelständische Unternehmen müssen ihre Eigenständigkeit nicht aufgeben, um gemeinsam größer zu denken. Große Herausforderungen erfordern starke Partnerschaften. Die ersten zehn Jahre haben gezeigt, was gemeinsam möglich ist. Auf die nächsten erfolgreichen 10 Jahre!