Cyberresilienz im Mittelstand

Newsletter Inhalt

14.09.2026

Wie Unternehmen Angriffe und Störungen besser verkraften und warum Cyberresilienz zur Führungsaufgabe wird.

Ein Gastbeitrag von Andreas Stammhammer | mandala IT GmbH

Ein aktueller Fall zeigt die Bedeutung von Cyberresilienz. Im August 2026 wurde das Berliner Landesnetz Ziel eines Cyberangriffs. Nach aktuellen Erkenntnissen flossen bereits zwischen dem 7. und 12. August Daten aus der Verkehrsverwaltung ab. Erst am 14. August wurden zwei betroffene Senatsverwaltungen vom Landesnetz getrennt. Verschiedene digitale Dienstleistungen waren zeitweise eingeschränkt. Nach dem Angriff wurde zudem eine Lösegeldforderung bekannt. Ob sie tatsächlich von den Angreifern stammt, war zunächst unklar.

Der Vorfall zeigt, worum es bei Cyberresilienz geht: Es reicht nicht, ausschließlich darauf zu setzen, einen Angriff verhindern zu können. Ein Unternehmen muss auch in der Lage sein, ungewöhnliche Aktivitäten möglichst früh zu erkennen, Auswirkungen zu begrenzen und den Betrieb kontrolliert wiederherzustellen.

Wenn aus einem IT-Problem ein Unternehmensproblem wird

Ein öffentlich erreichbarer Server wird über Wochen automatisiert angegriffen. Der Zugang zu einer Website wird über gestohlene Anmeldedaten übernommen. Eine geschäftlich wichtige E-Mail-Adresse empfängt plötzlich keine Nachrichten mehr – und niemand bemerkt es sofort. Was zunächst wie ein technisches Problem klingt, kann schnell den Geschäftsbetrieb treffen: Aufträge kön-nen nicht bearbeitet werden, Mitarbeiter verlieren den Zugriff auf wichtige Systeme, Kunden werden nicht erreicht oder sensible Daten geraten in falsche Hände. Genau hier setzt Cyberresilienz an. Sie beschreibt die Fähigkeit eines Unternehmens, Angriffe und Störungen zu erkennen, ihre Auswirkungen zu begrenzen, wichtige Geschäftsprozesse aufrechtzuerhalten und den regulären Betrieb kontrolliert wieder-herzustellen. Dabei geht es nicht allein darum, Angriffe zu verhindern. Entscheidend ist auch, wie gut ein Unternehmen auf den Ernstfall vorbereitet ist.

Andreas Stammhammer, Bereichsleiter Informationssicherheit und Datenschutz bei der mandala IT GmbH
Angriffsversuche gehören heute zum Normalbetrieb

Wer einen Server, eine Website oder einen anderen Dienst öffentlich über das Internet erreichbar macht, muss damit rechnen, dass dieser automatisiert untersucht wird. Programme suchen permanent nach be-kannten Schwachstellen, veralteten Softwareständen, falsch konfigurierten Diensten oder schwachen Zugangsdaten. Dafür muss ein Unternehmen weder besonders bekannt sein noch von einem Angreifer gezielt ausgewählt worden sein. Viele Angriffe beginnen nach einem einfachen Prinzip: Zunächst wird automatisiert nach möglichen Schwachstellen gesucht. Wird ein interessantes Ziel gefunden, kann daraus ein konkreter Angriff entstehen. Die eigentliche Gefahr liegt deshalb häufig nicht in spektakulären Angriffsmethoden, sondern in alltäglichen Versäumnissen: ein vergessenes System, eine nicht installierte Aktualisierung, ein unzureichend geschützter Zugang oder eine Sicherheitsmaßnahme, deren Funktion nie überprüft wurde. Für mittelständische Unternehmen kommt hinzu, dass IT-Abteilungen immer mehr Systeme und Dienste betreuen müssen, während qualifiziertes Fachpersonal knapp bleibt.

Automatisierung entlastet – Verantwortung bleibt

Informationssicherheit kann unter diesen Bedingungen nicht dauerhaft darauf beruhen, dass ein Mitarbeiter zufällig im richtigen Moment das richtige Protokoll oder das richtige System kontrolliert. Wiederkehrende Aufgaben sollten deshalb so weit wie sinnvoll automatisiert werden. Moderne Sicherheitssysteme können bekannte Angriffsquellen erkennen und automatisch blockieren, verdächtige Vorgänge melden oder ungewöhnliche Veränderungen sichtbar machen. Auch kollaborative Schutzsysteme gewinnen an Bedeutung. Erkennt ein teilnehmendes System eine bereits bekannte Angriffsquelle, können diese Informationen anderen Systemen zur Verfügung gestellt werden. Angriffe lassen sich dadurch teilweise bereits blockieren, bevor die betreffende Quelle im eigenen Unternehmen Schaden verursacht. In einem unserer Kundenprojekte konnten auf diese Weise innerhalb kurzer Zeit mehrere zehntausend bereits als auffällig bekannte IP-Adressen automatisiert blockiert werden. Automatisierung ersetzt allerdings nicht die Verantwortung. Sie hilft vielmehr dabei, begrenzte personelle Ressourcen gezielter einzusetzen und Auffälligkeiten schneller sichtbar zu machen. Gerade bei Sicherheits-vorfällen entscheidet häufig die Zeit zwischen dem ersten Angriff und seiner Erkennung darüber, wie groß der Schaden wird.

Cyberresilienz ist eine Führungsaufgabe

Ein Cyberangriff betrifft nur selten ausschließlich die IT-Abteilung. Wenn Aufträge nicht bearbeitet werden können, Mitarbeiter keinen Zugriff auf wichtige Systeme haben, Maschinen stillstehen oder Kunden nicht erreicht werden können, wird aus einem technischen Problem unmittelbar ein unternehmerisches Problem. Neben den unmittelbaren Kosten eines Ausfalls können Vertrags- und Lieferprobleme, Meldepflichten, Reputationsschäden oder der Verlust wichtiger Daten hinzukommen. Cyberresilienz gehört deshalb auf die Agenda der Geschäftsführung. 

Die zentrale Frage lautet nicht: „Ist unsere IT sicher?“ Eine absolute Sicherheit wird es nicht geben. Wichtiger sind Fragen wie: Welche Geschäftsprozesse müssen auch bei einem Cybervorfall weiterlaufen? Wie lange können wir einen Ausfall verkraften? Welche Systeme müssen zuerst wiederhergestellt werden?

Verantwortung und Haftung der Geschäftsleitung

Auch der Gesetzgeber hat die Verantwortung inzwischen klar auf der Leitungsebene verankert. Das seit 6. Dezember 2025 geltende BSI-Gesetz (NIS-2) verpflichtet die Geschäftsleitungen besonders wichtiger und wichtiger Einrichtungen, die vorgeschriebenen Risikomanagementmaßnahmen umzusetzen und deren Umsetzung zu überwachen. Geschäftsleitungen müssen darüber hinaus regelmäßig an Schulungen teilnehmen. Dabei geht es auch um persönliche Verantwortung: Verletzen Mitglieder der Geschäftsleitung ihre Pflichten und verursachen sie dadurch schuldhaft einen Schaden der Einrichtung, sieht § 38 BSIG eine Haftung nach den jeweils anwendbaren gesellschaftsrechtlichen Regeln vor. Die Verantwortung lässt sich daher nicht einfach mit dem Hinweis delegieren, die IT-Abteilung oder ein externer Dienstleister kümmere sich um das Thema. 

Cyberresilienz-Check für die Geschäftsführung

1. Kritische Prozesse: Wissen wir, welche Abläufe bei einem IT-Ausfall zuerst wieder funktionieren müssen?
2. Verantwortlichkeiten: Ist klar geregelt, wer bei einem Sicherheitsvorfall entscheidet und wer informiert werden muss?
3. Wiederherstellung: Werden Backups nicht nur erstellt, sondern ihre Wiederherstellung auch regelmäßig getestet?
4. Erkennung: Würden wir ungewöhnliche Aktivitäten oder den Ausfall eines wichtigen Dienstes zeitnah bemerken?
5. Vorbereitung: Haben wir einen Cybervorfall oder größeren IT-Ausfall schon einmal praktisch durchgespielt? 

Wer mehrere dieser Fragen nicht sicher beantworten kann, hat in der Regel weniger ein Technikproblem als ein Organisationsproblem.

Für die Geschäftsleitung wird vielmehr eine andere Frage entscheidend:

Können wir nachvollziehbar belegen, dass wir unsere wesentlichen Risiken kennen, angemessene Maßnahmen umgesetzt haben und deren Umsetzung und Wirksamkeit regelmäßig überwachen? Auch Unternehmen, die nicht unmittelbar unter die gesetzlichen NIS2-Anforderungen fallen, begegnen ver-gleichbaren Erwartungen zunehmend an anderer Stelle – beispielsweise in Kundenverträgen, Lieferantenbewertungen, Ausschreibungen, Cyberversicherungen oder im Rahmen von ISO 27001 und TISAX®. Cyberresilienz wird damit zunehmend auch zu einem Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und Lieferfähigkeit.

Künstliche Intelligenz als nächster Automatisierungsschritt

Automatisierung endet längst nicht bei technischen Sicherheitssystemen. Künstliche Intelligenz kann heute auch kaufmännische und organisatorische Tätigkeiten erheblich unter-stützen. Sie kann große Informationsmengen auswerten, Texte zusammenfassen, Dokumentationen vorbereiten oder wiederkehrende Arbeitsschritte beschleunigen. Damit entstehen für Unternehmen große Chancen, aber auch neue Fragen. Welche Daten dürfen in ein KI-System eingegeben werden? Wie werden Ergebnisse überprüft? Wer trägt Verantwortung für eine Entscheidung? Und wissen Mitarbeiter, wie KI sicher und sinnvoll eingesetzt werden kann? Der europäische AI-Act schafft hierfür einen regulatorischen Rahmen. Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen oder bereitstellen, müssen Maßnahmen ergreifen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz der Mitarbeiter und anderer Personen zu unterstützen, die in ihrem Auftrag mit diesen Systemen arbeiten. Dabei sind unter anderem Vorkenntnisse, Erfahrung und der konkrete Einsatzkontext zu berücksichtigen. Die Diskussion sollte sich dabei nicht ausschließlich auf Risiken konzentrieren. Gerade mittelständische Unternehmen können von KI erheblich profitieren, wenn konkrete Anwendungsfälle identifiziert und an-schließend technisch, organisatorisch und rechtlich sauber umgesetzt werden.

Praxis-Hinweis

Was kann KI heute wirklich, welchen konkreten Nutzen bringt sie im Betrieb und wo liegen rechtliche Fallstricke? Darüber sprechen wir am 8. Oktober 2026 beim mandala IT-Nachmittag für Entscheider im Haus der Wissenschaft in Braunschweig. Im Mittelpunkt stehen praxisnahe Einsatz-möglichkeiten, wirtschaftlicher Nutzen und die Frage, wie Unternehmen KI sicher und verantwortungsvoll umsetzen können – und wie mandala IT dabei unterstützt. Anmeldedaten und Infos: www.mandala.de/ki-veranstaltung oder vertrieb@mandala.de oder 0531 3489-222.

Der Cyber Resilience Act verschiebt den Blick auf das Produkt

Für Hersteller von Software, vernetzter Hardware und anderen Produkten mit digitalen Elementen kommt eine weitere Dimension hinzu.
Während klassische Informationssicherheitsanforderungen häufig die Organisation und den sicheren Betrieb betrachten, setzt der europäische Cyber Resilience Act bereits bei der Entwicklung und Bereitstellung eines Produktes an. Betroffen können beispielsweise Softwareanwendungen, Steuerungskomponenten, Netzwerkgeräte oder digital angebundene Maschinen sein. Die Grundidee ist einfach: Cybersicherheit soll nicht erst dann betrachtet werden, wenn ein Produkt beim Kunden eingesetzt wird. Sie muss über den gesamten Produktlebenszyklus berücksichtigt werden – von der Entwicklung über die Bereitstellung von Sicherheitsupdates bis zum Umgang mit bekannt gewordenen Schwachstellen. Ab dem 11. September 2026 beginnen die Berichtspflichten des Cyber Resilience Act. Die vollständige Anwendung des CRA folgt ab dem 11. Dezember 2027. Für betroffene Hersteller ist deshalb jetzt der richtige Zeitpunkt, bestehende Prozesse zu überprüfen. Denn der CRA betrifft nicht nur die technische Entwicklung eines Produktes. Er berührt auch Verantwortlichkeiten, technische Dokumentation, Supportprozesse, Sicherheitsupdates und insbesondere das Schwachstellenmanagement.

Praxis-Hinweis

Am 28. Oktober 2026 steht beim mandala IT-Nachmittag für Entscheider der Cyber Resilience Act (CRA) im Mittelpunkt. Dr. Lutz Keppeler, Fachanwalt für Informationstechnologierecht bei Heuking, ordnet die rechtlichen Anforderungen ein und zeigt, welche Unternehmen und Produkte betroffen sind. mandala IT übernimmt anschließend den Praxisteil: Wie lassen sich Prozesse, techni-sche Dokumentation, Product Vulnerability Management und klare Zuständigkeiten in einen realisti-schen Umsetzungsplan überführen? Weitere Informationen unter: www.mandala.de/cra-veranstaltung Anmeldungen an it-news@mandala.de oder telefonisch: 0531 3489-222

Resilienz entsteht im Alltag

Cyberresilienz lässt sich nicht durch ein einzelnes Projekt herstellen. Sie entsteht auch nicht allein durch eine Firewall, ein Sicherheitsprodukt oder eine neue Richtlinie. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus funktionierenden Schutzmaßnahmen, klaren Verantwortlichkeiten, vorbereiteten Reaktionswegen, regelmäßigen Kontrollen und einer Organisation, die aus Störungen und Sicherheitsvorfällen lernt. Unternehmen müssen dabei nicht alles gleichzeitig umsetzen. Der erste Schritt besteht häufig darin, Transparenz zu schaffen: Welche Systeme und Prozesse sind wirklich kritisch? Welche Risiken bestehen? Welche Schutzmaßnahmen funktionieren bereits – und wo gibt es Lücken? Erst danach lässt sich sinnvoll entscheiden, welche Maßnahmen technisch, organisatorisch und wirtschaftlich angemessen sind. Genau an dieser Schnittstelle verstehen wir unsere Aufgabe als mandala IT: technische Lösungen, organisatorische Abläufe und regulatorische Anforderungen so miteinander zu verbinden, dass Informationssicherheit nicht nur dokumentiert wird, sondern im täglichen Betrieb tatsächlich funktioniert. Sie möchten wissen, wie resilient Ihr Unternehmen bereits aufgestellt ist und wo konkreter Handlungsbedarf besteht? Sprechen Sie uns an. Gemeinsam ordnen wir Ihre Ausgangssituation ein und zeigen auf, welche nächsten Schritte technisch, organisatorisch und wirtschaftlich sinnvoll sind.

Sie möchten wissen, wie resilient Ihr Unternehmen bereits aufgestellt ist und wo konkreter Handlungsbedarf besteht? Sprechen Sie uns an. Gemeinsam ordnen wir Ihre Ausgangssituation ein und zeigen auf, welche nächsten Schritte technisch, organisatorisch und wirtschaftlich sinnvoll sind.

Weitere Informationen unter www.mandala.de