Yellow-Jockey: Wenn eine Galopprennbahn zur Bühne wird

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14.09.2026

Der Blick backstage: Das Geschäft hinter der großen Show!

Bis zu 10.000 Besucher an einem Abend, rund 100 Menschen im Einsatz und ein Veranstaltungsvolumen von mehr als einer Million Euro im Jahr: Hinter den Yellow-Jockey Open Airs auf der Galopprennbahn in Bad Harzburg steckt längst mehr als eine Konzertidee. Das Projekt zeigt, was es braucht, um größere Kulturveranstaltungen in der Region auf die Beine zu stellen – von verlässlichen Partnern und regionalen Dienstleistern über Planungssicherheit bis hin zu einer guten Portion unternehmerischen Muts. Wir haben mit den Machern über ihr ungewöhnliches Konzept, regionale Zusammenarbeit und die Herausforderungen der Veranstaltungsbranche gesprochen.

Eine Galopprennbahn als Konzertgelände? Was zunächst ungewöhnlich klingt, ist in Bad Harzburg inzwischen zu einem festen Veranstaltungskonzept geworden. Mit Yellow-Jockey verwandelt ein regionaler Veranstalter die traditionsreiche Rennbahn in eine Open-Air-Bühne und verbindet dabei zwei Welten: die Geschichte des Pferderennsports mit modernen Konzertformaten.

Die Ursprünge des Unternehmens reichen bis ins Jahr 2014 zurück, erste Erfahrungen als Veranstalter sammelten die Beteiligten bereits zuvor mit der Konzertreihe MINER’S ROCK in Goslar. Nicht jedes Jahr sei dabei wirtschaftlich erfolgreich gewesen, heißt es rückblickend. Gerade darin sehen die Verantwortlichen aber auch eine unternehmerische Erfahrung: Ideen ausprobieren, Verantwortung übernehmen und weitermachen.

Welche Dimension das Format inzwischen erreicht hat, zeigte der diesjährige Konzertsommer. Auf der Rennbahn standen unter anderem Dick Brave, Johannes Oerding und Matthias Reim auf der Bühne. Hinzu kam die 90s Super Show mit bekannten Namen wie Loona, Whigfield, Oli.P, East 17 und Culture Beat sowie Comedian Matze Knop als Co-Moderator. An vier Veranstaltungstagen in Folge wurde die Galopprennbahn damit Mitte August zur großen Open-Air-Bühne.

Christian Burgart leitet gemeinsam mit Sören Behme die Geschicke von Yellow-Jockey. Mit Christian Burgart haben wir im AGV-Interview über das Geschäftsmodell hinter den Open Airs, die Bedeutung regionaler Partnerschaften und die aktuellen Herausforderungen der Veranstaltungsbranche gesprochen.

Herr Burgart, was verbindet Konzerte mit einem eher ungewöhnlichen Veranstaltungsort. Was macht die Rennbahn in Bad Harzburg für Sie aus?
Unsere Bühne ist die Natur. Die Rennbahn in Bad Harzburg bietet eine Weitläufigkeit und Atmosphäre, die es in dieser Form in der Region kaum ein zweites Mal gibt: viel Grün, freie Flächen, kurze Wege und ein echtes Open-Air-Gefühl. Der Pferderennsport ist dabei unser Markenkern. Bei Yellow-Jockey ist jedes Konzert auch ein „Rennen“. Unsere Gäste sind im übertragenen Sinne die Jockeys des Abends und wir versuchen, diese besondere Atmosphäre an vielen Stellen erlebbar zu machen. Die Mischung aus Tradition, Natur und Weite macht für uns den Unterschied. Das viele Grün, die historischen Tribünen und die offene Landschaft erzeugen ein Umfeld, das klassische Eventflächen so nicht bieten können.
 
Welche Rolle spielt dabei für ein Unternehmen aus Goslar die Region Braunschweig-Wolfsburg?
Eine sehr große. Veranstaltungen mit bis zu 10.000 Besucherinnen und Besuchern pro Abend brauchen ein starkes und lebendiges Einzugsgebiet – und genau das ist die Region Braunschweig-Wolfsburg für uns. Gleichzeitig sehen wir Yellow-Jockey nicht isoliert. Kultur, Freizeit, Wirtschaft und regionale Identität hängen aus unserer Sicht zusammen. Eine Region wird eben auch durch die Orte und Veranstaltungen geprägt, an denen Menschen zusammenkommen. Möglichst viel Wertschöpfung aus der Region Große Veranstaltungen benötigen Personal, Technik, Sicherheit und Logistik.
 
Wie regional ist Yellow Jockey hinter den Kulissen aufgestellt?
Wir versuchen, so regional wie möglich zu arbeiten. Das beginnt bei Sicherheitsdiensten, Getränkepartnern und technischen Dienstleistern und endet bei den vielen Helferinnen und Helfern aus der Region. Im Sommer sind rund 100 Menschen für unsere Veranstaltungen im Einsatz. Uns ist wichtig, dass die Wertschöpfung spürbar in der Region bleibt. Beispielhaft nennen möchte ich langjährige Partner wie die Baugenossenschaft Wiederaufbau oder das Autohaus Rosier. Ohne solche regional verwurzelten Unternehmen wären Veranstaltungen dieser Größenordnung kaum möglich. Was ich dabei immer wieder erlebe, sind Engagement, Verlässlichkeit, gegenseitige Unterstützung und der Wille, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.
Konzertgelände in Bad Harzburg von oben
Christian Burgart von Yellow-Jockey
It's Showtime: Große Bühne für zahlreiche Stars
Welche Bedeutung hat regionale Vernetzung für Sie über klassisches Sponsoring hinaus?
Eine enorme. Regionale Zusammenarbeit beginnt oft bei vermeintlich kleinen Dingen: abgestimmten Terminen, gemeinsamem Denken oder gegenseitiger Unterstützung. Gleichzeitig braucht es aber auch gemeinsame Zukunftsbilder. Nicht jedes kulturelle Format lässt sich rein betriebswirtschaftlich erklären. Gerade deshalb ist Vernetzung so wichtig. Wenn Unternehmen, Verbände, Kommunen und Veranstalter zusammenarbeiten, können alle Seiten davon profitieren – zwischen Unternehmergeist und Planungssicherheit.
 
Die Veranstaltungsbranche steht wirtschaftlich ebenfalls unter Druck. Was sind für Sie derzeit die größten Herausforderungen?
Ich gehöre nicht zu denen, die ausschließlich über zu hohe Lohnkosten klagen. Meine drei größten Herausforderungen sind andere. Erstens die fehlende Planungs- und Genehmigungssicherheit. Anforderungen verändern sich teilweise laufend und machen langfristige Planung schwierig. Zweitens die fehlende Verlässlichkeit mancher Sponsoringstrukturen. Veranstaltungen brauchen Partner, die nicht nur kurzfristig denken. 
Und drittens die massiv steigenden Künstlergagen, die inzwischen viele Veranstaltungsformate erheblich unter Druck setzen. Wenn wir insbesondere die regulatorischen Themen besser in den Griff bekommen, kann vieles gelingen.
 
Damit beschreiben Sie Herausforderungen, die auch viele Unternehmen außerhalb der Veranstaltungsbranche kennen. Wie wichtig ist für Sie grundsätzlich Planungssicherheit?
Sie ist für Veranstaltungen dieser Größenordnung elementar. Entscheidungen müssen lange im Voraus getroffen und finanzielle Verpflichtungen eingegangen werden. Wenn sich Rahmenbedingungen während der Planung verändern, wird das schnell zu einem unternehmerischen Risiko. Gleichzeitig gehört Risiko natürlich zum Unternehmertum. Nicht jedes Wirtschaftsjahr bei uns war einfach und nicht jedes endete mit einem Gewinn. Aber genau das gehört für mich auch dazu: Dinge ausprobieren, Verantwortung übernehmen und weitermachen.
 
In Ihren Antworten sprechen Sie auffallend häufig über die Region. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Wir sind Kinder dieser Region. Ich selbst fahre beispielsweise als Wirtschaftsförderer täglich zwischen Goslar und Helmstedt und bin beruflich in ganz Niedersachsen unterwegs. Dabei merke ich immer wieder, wie viel Kraft in regionaler Identität steckt – und gleichzeitig auch, wie viel Potenzial bei uns noch ungenutzt ist. Wir reden unser Land und unsere Region oft schlechter, als sie tatsächlich sind. Natürlich gibt es Herausforderungen. Aber wir verlieren manchmal den Blick für das, was funktioniert. Für die vielen engagierten Menschen. Für die Chancen. Für die Stärke unserer Regionen.
 
Wo sehen Sie dabei Anknüpfungspunkte zwischen Veranstaltern, Unternehmen und regionalen Netzwerken?

Vor allem bei der gemeinsamen Frage nach Zukunft und Optimismus. Wenn Unternehmen aus unserer Region Fachkräfte suchen oder sich international präsentieren, spielt Herkunft eine wichtige Rolle. Menschen wollen wissen: Wofür steht diese Region eigentlich? Ist sie mutig, wachsend und lebenswert? Oder erzählt sie sich selbst permanent den Niedergang? Wir verkaufen letztlich alle gemeinsam ein Gefühl von Zukunft. Deshalb bin ich überzeugt, dass Verbände wie der Arbeitgeberverband, die IHK, die Handwerkskammern, Städte, Landkreise und starke Veranstalter künftig noch enger zusammenarbeiten sollten. Kultur kann dabei weit mehr sein als Unterhaltung. Sie kann Identität stiften, Menschen verbinden und einer Region Selbstbewusstsein geben.

Damit schließt sich der Kreis: Yellow-Jockey ist nicht nur eine Konzertreihe, sondern auch ein Beispiel dafür, was entstehen kann, wenn Unternehmergeist, regionale Verbundenheit und verlässliche Partnerschaften zusammenkommen. Trotz aller wirtschaftlichen und organisatorischen Herausforderungen überwiegt dabei der Blick nach vorn – oder, wie Burgart es selbst formuliert: „Optimismus ist auch ein Wirtschaftsfaktor.“

Herr Burgart, vielen Dank für das Gespräch und die interessanten Einblicke hinter die Kulissen von Yellow-Jockey.

 

Weitere Informationen über Yellow-Jockey und Kontaktaufnahme unter yellow-jockey.de 

Fotos: Yellow-Jockey