AGV-Mitgliederversammlung & ArbeitgeberDialog 2026 im Rückblick

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12.06.2026

Wirtschaftsweise Prof. Dr. Veronika Grimm spricht in der Eis ARENA Wolfsburg:

„Deutschland braucht ein mutiges Paket aus Hebelreformen“

Wie lässt sich die deutsche Wirtschaft wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad führen? Diese Frage stand im Mittelpunkt unseres diesjährigen ArbeitgeberDialogs, der am Donnerstag, den 11. Juni in der Eis Arena Wolfsburg stattfand. Dort wo sonst die Grizzlys Wolfsburg in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) auf Torejagd gehen, ging es diesmal um Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und die Zukunft des Industriestandortes Deutschland disktuierten rund 300 Gäste, darunter zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus unseren Mitgliedsunternehmen, über die Herausforderungen am Wirtschaftsstandort Braunschweig-Wolfsburg und die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands. Das Ganze unter dem Leitmotto: „Ein Land investiert sich aus der Krise – fester Stand auch auf glattem Eis“.

Bereits im Rahmen der zunächst stattfindenden Mitgliederversammlung machte AGV-Vorstandsvorsitzender Florian Bernschneider deutlich, dass die Unternehmen der Region weiterhin vor großen Herausforderungen stehen. Gleichzeitig verwies er auf die besonderen Stärken des Wirtschaftsraums Braunschweig-Wolfsburg. Mit einer der höchsten Dichten an Forschungseinrichtungen in Europa, einer starken industriellen Basis und einem leistungsfähigen Mittelstand verfüge die Region über hervorragende Voraussetzungen, um die wirtschaftliche Transformation erfolgreich zu gestalten und neue Wachstumsimpulse zu setzen.

AGV-Hauptgeschäftsführer Lars Alt zeichnete anschließend ein differenziertes Bild der aktuellen wirtschaftlichen Lage. Aus Sicht des Verbandes sei die konjunkturelle und strukturelle Talsohle noch nicht erreicht. Er verwies darauf, dass deutschlandweit aktuell jeden Monat rund 10.000 Industriearbeitsplätze verloren gingen und der Anteil an Unternehmen mit Auftragsmangel im Vergleich zum Vorjahr erneut gestiegen sei. Zudem bereiteten ihm der Rückgang gemeldeter Arbeitsstellen am regionalen Arbeitsmarkt ebenso Sorge wie die weiterhin über dem Pandemieniveau liegende Zahl der Arbeitslosen in der Region. Mit Blick auf neue Wachstumsmärkte erklärte Alt: „Trotz intensiver Forschungsarbeit und trotz nicht unerheblicher Ausgaben für Forschung und Entwicklung gelänge es uns im Land zu wenig Grundlagenforschung in die Vermarktung und Skalierung zu bringen. Mehr Output und mehr Kapital können uns – neben besseren makroökonomischen Rahmenbedingungen – wieder zurück auf einen Wachstumspfad bringen“, erklärte Alt.

Im Mittelpunkt des ArbeitgeberDialogs stand die Keynote von Prof. Dr. Veronika Grimm. Die renommierte Ökonomin, Professorin für Energiesysteme und Marktdesign an der Technischen Universität Nürnberg sowie Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, analysierte die aktuellen Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland und stellte zentrale Ergebnisse der Studie „Wachstumsgrundlagen erneuern, Sicherheit nachhaltig stärken“ vor.

Grimm zeichnete ein deutliches Bild der strukturellen Probleme: schwaches Wirtschaftswachstum, sinkende Industrieproduktion, hohe Energiepreise, zunehmende Bürokratie und ein wachsender Rückstand Europas bei digitalen Technologien und Wagniskapital. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass Deutschland über erhebliche Potenziale verfüge, wenn die richtigen Weichen gestellt würden.

„Entscheidend ist der technologische Fortschritt“, betonte Grimm. Forschung, Digitalisierung, Energieinfrastruktur und technologische Entwicklung müssten deutlich stärker vorangetrieben werden, um die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands langfristig zu sichern. Dabei reichten einzelne Maßnahmen nicht aus. Gefragt sei vielmehr ein umfassender Reformansatz. Ihr Appell an Politik und Wirtschaft fiel entsprechend klar aus: Deutschland brauche „nicht irgendwelche Reformen, sondern ein wirksames und mutiges Paket aus Hebelreformen“.

Zu den notwendigen Maßnahmen zählte Grimm unter anderem Strukturreformen bei den Sozialversicherungen, wettbewerbsfähigere Rahmenbedingungen für Unternehmen, eine stärkere europäische Sicherheits- und Energiepolitik sowie bessere Voraussetzungen für Innovationen und Investitionen. Nur wenn es gelinge, Investitionen zu erleichtern und technologische Entwicklungen schneller in die Anwendung zu bringen, könne Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern.

Die Diskussionen des Nachmittags machten deutlich, wie eng die Themen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik inzwischen miteinander verknüpft sind. Gerade für die Region Braunschweig-Wolfsburg, die zu den forschungsintensivsten Regionen Europas zählt, kommt es darauf an, wissenschaftliche Exzellenz, industrielle Stärke und unternehmerischen Mut noch stärker miteinander zu verbinden.

Durch die Veranstaltung führte die Journalistin und Moderatorin Laura Kipfelsberger, die unter anderem aus Formaten von WELT, sternTV, RTL und dem ARD-„Y-Kollektiv“ bekannt ist. Beim anschließenden Austausch nutzten die Gäste die besondere Atmosphäre der Eis Arena Wolfsburg, um die Diskussionen zu vertiefen, Kontakte zu pflegen und über die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Braunschweig-Wolfsburg sowie des Industriestandortes Deutschland ins Gespräch zu kommen.

Der ArbeitgeberDialog 2026 zeigte einmal mehr: Die Herausforderungen sind groß, die Potenziale jedoch ebenso. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, Innovationen schneller in wirtschaftlichen Erfolg zu überführen und die notwendigen Reformen mutig anzugehen.

 



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Keynote-Speakerin Prof. Dr. Veronika Grimm
AGV-Vorstandsvorsitzender Florian Bernschneider
AGV-Hauptgeschäftsführer Lars Alt
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