Modular Space Park 38 – Konzept, Vision und nächste Schritte
Initiator Bernd Fels gewährt im AGV-Interview Einblicke in das Zukunftsprojekt.
Zur Person: Bernd Fels ist seit 25 Jahren mit dem Thema Arbeitswelten und Raumkonzepte unterwegs. Mit if5 und if5-Design begleitet er Unternehmen, Behörden und Organisationen – von privaten Mittelständlern über Verwaltungen bis hin zu Bundesministerien – bei der Entwicklung zukunftsfähiger Arbeitsumgebungen. Das Spektrum reicht von 50 bis 5.000 Arbeitsplätzen; Innenarchitektur und strategische Konzeptentwicklung gehören dabei gleichermaßen zum Leistungsbild. Darüber hinaus ist er als Keynote Speaker und Seminarleiter in Deutschland unterwegs. Er ist Mitgründer der Initiative spaces4future und amtiert als stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Seit mehreren Jahren entwickelt er dort Realutopien für eine nachhaltige, kooperative und zukunftsorientierte Regionalentwicklung in der Region38.
So viel vorweg: Die Ideen hinter MSP38 und den weiteren Projekten von spaces4future sind originär – entstanden aus jahrzehntelanger Berufserfahrung und regionaler Beobachtung, lange bevor KI als Werkzeug verfügbar war. Aber jetzt zum Interview!
Herr Fels, Sie beschäftigen sich intensiv mit den Arbeitswelten der Zukunft. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Trends, die Produktions- und Industriestandorte aktuell verändern?
Wir erleben gerade mehrere Umbrüche gleichzeitig – und sie verstärken sich gegenseitig. KI bekommt zunehmend Hände: Robotik macht das möglich, was bisher nur im digitalen Raum denkbar war – in der Produktion, im Handwerk, in der Logistik. Das verändert nicht nur Prozesse, sondern die Logik ganzer Standorte. Gleichzeitig wachsen Bereiche zusammen, die lange strikt getrennt waren: Produktion, Energie, Daten, Forschung, Labor, Lernen, Büro. Was wir gerade erleben, erinnert mich an die Debatte um die funktionale versus die durchmischte Stadt. Die Nutzungstrennung der Moderne hat ausgedient – das gilt jetzt auch für Gewerbestandorte. Zukunftsfähige Industriestandorte sind keine Monokulturen mehr, sondern Ökosysteme. Weniger Fläche verwalten, mehr Beziehungen gestalten.
Sie haben die Idee eines Industrieparks der Zukunft bzw. MSP38 skizziert. Wie ist diese Idee entstanden?
Eigentlich ganz pragmatisch: Eine Wirtschaftsförderung aus der Region hat mich gefragt, ob ich zum Gewerbepark der Zukunft etwas sagen kann. Ich habe angefangen zu denken – und konnte nicht mehr aufhören. Energie und Daten als Rückgrat eines modernen Standorts waren schnell klar. Dann kam die Idee der seriellen Fertigung hinzu: Warum nicht einen Park bauen, der selbst modular und replizierbar ist? So war MSP38 – Modular Space Park für die Region38 – geboren. Danach haben wir die Grundidee mit Expertinnen und Experten gecheckt, kritisch hinterfragt – und dann angefangen, sie ernsthaft weiterzuentwickeln.
Was unterscheidet MSP38 grundsätzlich von klassischen Industrie- oder Gewerbegebieten?
Stellen Sie sich vor: 100 Branchen, 100 Gebäude – und dazwischen: nichts. Keine Synergien, keine gemeinsame Energie, keine geteilte Infrastruktur, keine Lernorte. Jeder für sich. Das ist das klassische Gewerbegebiet. Und ehrlich gesagt: Es ist auch nicht besonders attraktiv – weder für Unternehmen, noch für Fachkräfte. MSP38 denkt das anders. Nicht Grundstücke organisieren, sondern Beziehungen. Zwischen Unternehmen, Energie, Daten, Mobilität, Wissen und Menschen. Ein lernendes, modulares, kooperatives Ökosystem – das nicht nur funktioniert, sondern auch anzieht.
Und dann ist da noch eine Frage, die ich spannend finde: Was wäre, wenn Gewerbeparks tatsächlich Parks werden? Im Grünen, mit Aufenthaltsqualität, mit Räumen, die auch gesellschaftlich etwas bedeuten? Das klingt vielleicht ungewohnt – aber warum eigentlich?
Welche Rolle spielen Technologien wie Künstliche Intelligenz und datengetriebene Systeme in Ihrer Vision?
KI wird alles durchdringen – Produktion, Logistik, Energie, Wartung, Qualifizierung. Die Frage ist nicht ob, sondern wie wir damit umgehen.
Meine Überzeugung: Wir brauchen die Infrastruktur dafür vor Ort. Rechenkapazität, Daten, Konnektivität – nicht irgendwo in der Cloud, sondern regional verankert. Das ist auch eine Frage der Resilienz. Wer die Infrastruktur nicht selbst hat, ist abhängig. Und dann gibt es einen Gedanken, der mir besonders gefällt: MSP38 als eine Art Fitnesscenter für Robotik. Ein Ort, wo Unternehmen neue Technologien nicht nur kaufen, sondern gemeinsam testen, trainieren und weiterentwickeln können. Die Synergien, die dabei entstehen – zwischen Unternehmen, zwischen Mensch und Maschine, zwischen Daten und Produktion – das ist der eigentliche Mehrwert.
Sie haben erwähnt, dass es bereits vergleichbare Ansätze gibt – etwa der Innovation Park Artificial Intelligence Heilbronn. Was können wir daraus lernen, und wo gehen Sie bewusst einen anderen Weg?
Der IPAI in Heilbronn ist ein beeindruckendes Beispiel – entstanden aus einem Wettbewerb, gewonnen von der Schwarz-Gruppe. Das zeigt: Solche Orte sind keine Träumerei, sie werden gebaut. Und sie verändern Regionen. Meine Überzeugung: Wir werden mehr solcher Orte brauchen. Also sollten wir jetzt anfangen, nicht in fünf Jahren. Vom IPAI kann man lernen, wie man Infrastruktur und Betrieb strategisch denkt und wie man Sichtbarkeit erzeugt. Aber MSP38 will noch einen Schritt weitergehen: noch konsequenter energieautark denken. Ein echtes Energiegerüst – Solar, Wasser, Abwärme, Speicher – als Grundprinzip des Standorts, nicht als Zusatz. Und dann ist da das modulare Prinzip – aber wirklich konsequent gedacht. Nicht hundert verschiedene Gebäudetypen, sondern drei, vier Grundmodule. Wie Lego. Die lassen sich beliebig kombinieren, seriell fertigen, schnell aufbauen und immer wieder neu zusammensetzen. Das reduziert Kosten, beschleunigt Realisierung – und macht den Park selbst zur Blaupause für andere Regionen.
Wie könnte ein solcher Standort konkret aussehen – sowohl infrastrukturell als auch organisatorisch – und wo wäre ein guter Standort?
Das Bild, das mir vorschwebt, ist ein bisschen wie ein Chemiepark – aber für die Industrie der Zukunft. Geteilte Infrastruktur als Rückgrat: Energie, Daten, Wasser, Logistik. Darauf aufbauend die erwähnten drei, vier modulare Grundtypen wie Produktion, Testflächen, Lernorte, Gemeinschaftsbereiche. Alles verbunden, nichts verschwendet. Organisatorisch braucht es eine starke Betreiberstruktur, die nicht nur verwaltet, sondern aktiv kuratiert – Synergien sichtbar macht, Kooperationen ermöglicht, den Standort weiterentwickelt. Beim Standort bin ich pragmatisch: klein anfangen, nah an der Autobahn, dann skalieren. Und wir müssen nicht bei null anfangen. Das interkommunale Gewerbe- und Industriegebiet zwischen Braunschweig und Salzgitter – nördlich der A39, an der Stadtgrenze beider Städte wäre perfekt, auch wenn es meines Wissens einen Planungsstopp gibt. Das ist eine konkrete Fläche mit echter Infrastrukturanbindung. Und dann ist da noch das Gewebegebiet in der Nähe des Autobahnkreuz A2/A39 im Landkreis Helmstedt:
Beide Standorte sind real. Die Frage ist nicht ob – sondern wie wir sie mit dem richtigen Konzept füllen.
Abb. 1: MSP38 – Die Ursprungsidee. Erstellt mit PowerPoint – menschliche Intelligenz, kein CAD-Programm. Idee: Bernd Fels, spaces4future e. V. Ca. 24 Hektar, 240.000 m², modularer Aufbau mit M1-Häusern, Schwerlastturm (ST), Mobilitäts-Hub (M2) und Gastro/Service-Apartments (M3). Zum Vergrößern anklicken!
Abb. 2: Referenz und Vision – IPAI Heilbronn (im Bau, oben links); Entwurf: MVRDV, Rotterdam. Die weiteren Darstellungen sind KI-generiert: Die Planung des IPAI Heilbronn wurde als Grundlage genommen und mittels Prompt mit dem MSP38-Konzept – Solardach, Tragstruktur, Grünflächen – überplant. Frage dahinter: IPAI 2.0 für die Region38? Zum Vergrößern anklicken!
Sie betonen die Verbindung von Arbeits-, Lern- und Lebenswelt. Warum ist diese Integration so entscheidend?
Weil diese Welten ohnehin nicht mehr sauber getrennt sind – und wir das endlich auch räumlich anerkennen sollten. Nehmen wir Wohnen: Wohnungen sind knapp, in der Stadt wie auf dem Land. Warum also nicht ein Areal denken, wo Menschen, die dort arbeiten, auch leben können? Service-Apartments, einfach, funktional, im Grünen. Das ist kein Luxus – das ist Pragmatismus. Und Arbeit selbst wird flexibler. Nicht jeder muss an der Maschine stehen. Viele Tätigkeiten können dezentral passieren – auf dem Areal, im Co-Working-Bereich, im Café, unter freiem Himmel. Was zählt, ist die Verbindung: zur Infrastruktur, zu Kolleginnen und Kollegen, zum gemeinsamen Lernen. KI entwickeln, KI trainieren, Infrastruktur gemeinsam nutzen – das passt alles zusammen. Und wenn man das konsequent zu Ende denkt, merkt man: Das ist eigentlich kein Gewerbepark mehr. Das ist eine kleine Stadt.
Welche Bedeutung hat ein solcher Standort für Fachkräftegewinnung und -bindung in der Region?
Wir müssen das ehrlich benennen: Unsere Region steht vor einer massiven Transformation. VW baut zehntausende Stellen ab – und das zieht sich durch die gesamte Zulieferkette, bis in die zweite und dritte Reihe. Das sind Menschen mit echtem Know-how, mit Erfahrung, mit Bindung an diese Region. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur: Wie gewinnen wir neue Fachkräfte? Sondern vor allem: Wie halten wir die, die wir haben?
Ein Standort wie MSP38 gibt darauf eine konkrete Antwort. Er schafft neue Perspektiven – für Fachkräfte, die ihre Kompetenzen in neue Kontexte überführen wollen. Produktion, Robotik, KI, Energie – das sind Felder, die Qualifikation brauchen, die hier schon vorhanden ist. Wenn wir jetzt nicht mutig neue Angebote schaffen, verlieren wir nicht nur Arbeitsplätze – wir verlieren Menschen. Und mit ihnen Erfahrung, Netzwerke und Zukunftspotenzial. Das dürfen wir uns nicht leisten.
Und es wird noch komplexer: Eine Studie von Handa et al. (2025), dreht ein populäres Narrativ um: KI automatisiert nicht zuerst die einfachen Jobs, sondern die anspruchsvollsten. Wissensarbeit, Analyse, Controlling, Management – genau dort, wo heute noch viele gut bezahlte Stellen hängen. Die theoretische Automatisierbarkeit liegt bei 90 Prozent und mehr. Genutzt wird bisher ein Bruchteil davon. Aber die Lücke wird sich schließen – vermutlich schneller, als wir heute denken. Das bedeutet für unsere Region: Der Umbau betrifft nicht nur die Linie, sondern auch die Büros, die Labore, die Verwaltungen. Wir müssen attraktiver werden – als Region, als Arbeitgeber, als Lebensraum. Meine Formel dafür lehnt sich an Richard Florida an, der schon vor Jahren die drei T’s regionaler Stärke beschrieben hat: Talent, Technology, Toleranz. Ich übertrage das direkt auf unsere Situation: Toleranz, Technik, Talente. Wer diese drei Dinge zusammenbringt, gewinnt den Wettbewerb um die Menschen, die morgen gebraucht werden. MSP38 ist ein konkretes Angebot in genau diese Richtung.
Was mich ermutigt: Diese Debatte kommt jetzt auch ganz oben an. Bundesdigitalminister Wildberger hat erst kürzlich eine nationale Rechenzentrumsstrategie vorgestellt – mit dem Ziel, die Kapazitäten bis 2030 zu verdoppeln und die KI-Rechenleistung zu vervierfachen. Und in einem Interview spricht er ganz offen aus, was viele denken, aber wenige sagen: KI wird Arbeitsplätze verändern und reduzieren – und ja, er kann sich sogar vorstellen, dass ein Grundeinkommen eine Antwort darauf sein könnte. Das ist kein Zukunftsszenario mehr, das ist politische Gegenwart.
Für uns in der Region bedeutet das: Wir brauchen nicht weniger neue Wertschöpfung, sondern mehr. MSP38 ist genau dafür ein strategisches Modul – ein Ort, wo Robotik nicht nur eingesetzt, sondern entwickelt, gewartet, finanziert und geleast wird. Wo Menschen nicht von der Linie verdrängt werden, sondern neue Rollen neben und mit der Maschine finden. Das ist kein Trost – das ist ein konkretes Angebot.
Ein wichtiger Aspekt scheint die ökologische und soziale Dimension zu sein. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrem Konzept – und welche konkreten Synergien entstehen dabei?
Nachhaltigkeit bleibt ein zentrales Ziel – auch angesichts aller geopolitischen Verwerfungen. Vielleicht gerade dann. Aber ich mag den Begriff nur, wenn er konkret wird. Bei MSP38 bedeutet das: Ein großes Solardach versorgt den Standort mit Energie – insbesondere das Rechenzentrum, das als Herzstück des Parks enorme Mengen Strom braucht. Regenwasser wird aufgefangen und im Kreislauf gehalten. Abwärme aus dem Rechenzentrum fließt weiter – in Wärmeversorgung, Gewächshäuser, Algenproduktion. Aus Reststoffen entstehen neue Wertschöpfungsketten. Wenn man diese Kreisläufe konsequent miteinander verwebt, entsteht etwas, das wirklich nachhaltig ist – nicht als Label, sondern als Systemlogik. Dazu kommt ein ganz praktisches Problem: Die großen Stromtrassen, die Energie von A nach B transportieren sollen, werden noch Jahre auf sich warten lassen. Wer darauf wartet, wartet zu lang. Deshalb denken wir den Standort von Anfang an energieautark – mit Solarflächen rund um den Park, vielleicht auch als Teil einer innovativen Autobahn, die Infrastruktur und Energieerzeugung kombiniert. Energie dort produzieren, wo sie gebraucht wird – das ist heute machbar. Und schließlich: Wer in wenigen standardisierten Modulen baut, baut schneller, ressourcenschonender, mit weniger Verschwendung. Nachhaltigkeit und Tempo schließen sich hier nicht aus – sie bedingen sich gegenseitig. Was mich dabei besonders interessiert: Könnte die Schwarz Gruppe, die mit Schwarz Digits gerade 11 Milliarden Euro in das Rechenzentrum Lübbenau investiert – auf dem Gelände eines ehemaligen Braunkohle-kraftwerks, modular, mit Abwärmenutzung und Grünstrom – auch dezentrale Standorte in Deutschland mitdenken? Sie zeigen mit Lübbenau, dass solche Konzepte funktionieren und Regionen stärken. MSP38 wäre ein nächster logischer Schritt in diese Richtung – ein Ort, an dem Rechenleistung, Energie und Produktion zusammenkommen. Das Gespräch mit solchen Akteuren würde uns freuen.
Welche gesellschaftlichen Mehrwerte könnte MSP38 für die Region schaffen?
Der erste Mehrwert entsteht schon vor dem ersten Spatenstich: Allein die ernsthafte Umsetzung einer Machbarkeitsstudie und eines Prototypen zieht Aufmerksamkeit auf die Region – von Investoren, von Fachkräften, von anderen Regionen, die dasselbe Problem haben. Und wenn der Pilot in den nächsten zehn Jahren wirklich auf einem größeren Testfeld umgesetzt ist, dann wird daraus etwas Größeres. MSP38 ist von Anfang an als skalierbares Modell gedacht – ausrollbar in die Region, nach Deutschland, nach Europa. Der nächste große Standort könnte dann genau dort entstehen, wo die Flächen schon bereit liegen: etwa auf dem interkommunalen Gewerbegebiet zwischen Braunschweig und Salzgitter. Aber der eigentliche gesellschaftliche Mehrwert sind die neuen Tätigkeitsfelder. Wer sorgt dafür, dass Robotik hier in der Region Fuß fasst? Wer übernimmt Maintenance, Finanzierung, Leasing? Ich denke zum Beispiel sofort an Volkswagen Financial Services – die wissen, wie man Fahrzeuge least. Warum nicht Roboter? Das Geschäftsmodell ist dasselbe, die Kompetenz ist da, die Region ist da.
Sie sind Mitbegründer von spaces4future. Welche Ziele verfolgt diese Initiative?
spaces4future ist eigentlich der Ursprung von allem, worüber wir heute gesprochen haben. Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum dieser Verein entstanden ist: Ich hatte irgendwann genug von Stammtischparolen. Man müsste mal, man sollte mal, man könnte ja mal. Dieser Dreiklang des Nichtstuns – das war für mich der Antrieb, es anders zu machen. Konkret denken, Ideen mit echter Expertise unterfüttern, und dann auch den nächsten Schritt gehen. Das ist unser Thema. Frische Gedanken – aber keine leeren. Begonnen hat es mit einer einfachen Frage: Was kann aus dem alten Kaufhof in der Braunschweiger Innenstadt werden? Daraus entstand das Konzept eines WorkLifeCommunityHub – Hort10. Und aus diesem einen Projekt wurden über die Jahre fünfzig Ideen für die Region. MSP38 ist eine davon. Was dabei passiert ist: Plötzlich wurden Synergien sichtbar, die vorher niemand so gesehen hatte. Und dann kamen Fragen – von Unternehmen, von Kommunen, von Organisationen. Was denkt ihr über dieses Thema? Was wäre, wenn man das anders denkt? Genau das ist die Rolle von spaces4future: Wir arbeiten in der Phase minus eins. Vor der klassischen Planung, vor dem Bebauungsplan, vor dem Investorengespräch. Wir stellen die Frage: Mal angenommen, es wäre möglich – wie würde es aussehen? Das nennen wir Realutopien. Keine abstrakten Träume, sondern umsetzbare Zukunftsbilder. Und das Ziel ist klar: Die Region38 als Modellregion zu denken – als NewRegion, die mit NewSpeed vorangeht. Denn ehrlich gesagt: Es ist durchaus eilig.
Aktuell steht eine Vorstudie bzw. Machbarkeitsprüfung im Raum. Was genau soll in diesem Schritt untersucht werden?
Die Grundidee haben wir bereits mit wichtigen Experten grob gecheckt – das war ein erster Realitätstest, und er war ermutigend. Jetzt wäre der nächste Schritt, das konkreter durchzuspielen: Standort, Energiekonzept, Betreibermodell, Governance, Finanzierung, regionale Mehrwerte.
Das erfordert Aufwand – und den richtigen Rahmen. Genau hier kommt spaces4future ins Spiel. Wir haben in unserem Netzwerk Akteure mit einem echten 360-Grad-Blick: Wirtschaft, Wissenschaft, Kommunen, Energie, Planung, Finanzierung. Als gemeinnütziger Verein können wir das gut organisieren – neutral, ohne eigene Verwertungsinteressen, mit dem Blick auf das Ganze. Unsere Rolle ist die des Vermittlers und Prozessbegleiters. Wir bringen die richtigen Menschen zusammen, strukturieren die Fragen, halten den Prozess am Laufen. Die Umsetzung selbst liegt dann bei den Akteuren, die das können und wollen. Aber jemand muss den Anfang machen – und diesen Anfang können wir gestalten.
Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ein Projekt wie MSP38 realisiert werden kann?
Früher hätte man für ein Projekt dieser Größenordnung ganze Heerscharen an Beratern gebraucht, Jahre der Vorbereitung, Dutzende Gutachten. Das hat sich grundlegend verändert. Heute kann ein kleines, erfahrenes Team – mit echter Seniorität und dem richtigen Netzwerk – gemeinsam mit KI in kurzer Zeit eine belastbare Grundlage entwickeln. Nicht perfekt, nicht zu hundertundzwanzig Prozent fertig. Aber gut genug, um einen ersten Prototypen zu denken und zu zeigen. Siemens und NVIDIA bauen Produktionsanlagen heute digital, bevor der erste Spatenstich erfolgt. Man simuliert, testet, optimiert – und dann baut man. So ähnlich können wir MSP38 denken: erst digital durchspielen, dann schrittweise realisieren.
Was es dafür braucht? Erstens den politischen Willen – und die Bereitschaft der Verwaltung, neue Nutzungskonzepte aktiv zu unterstützen statt nur zu verwalten. Zweitens die Wirtschaft: Unternehmen, die die Chancen sehen und bereit sind, in Forschung und Entwicklung für ein solches Konzept zu investieren. Und drittens – das wird oft vergessen – gesellschaftliche Akzeptanz. Denn wenn gut gemeinte Projekte am Ende durch Bürgerinitiativen gekippt werden, hilft der beste Plan nichts. Das ist die Realität, mit der wir umgehen müssen. Frühzeitige Einbindung, echte Transparenz, ehrliche Kommunikation – das ist keine Kür, das ist Pflicht.
MSP38 klingt ambitioniert – manche wurden sagen: zu ambitioniert. Wie begegnen Sie kritischen Stimmen, die sagen, das ist wieder ein schönes Konzept ohne Umsetzungskraft?
Die Kritik kenne ich – und ich nehme sie ernst. Zu Recht wird gefragt: Wer zahlt das? Wer entscheidet? Wer trägt das Risiko?
Zur Finanzierung: Eine Machbarkeitsstudie dieser Art ist kein Millionenprojekt. Mit einem schlagkräftigen, erfahrenen Team ist das leistbar – und es gibt Förderprogramme, etwa Strukturstärkungsmittel im Raum Helmstedt oder Förderlinien auf Landes- und Bundesebene, die genau solche Vorstudien unterstützen. Die Menschen im Netzwerk von spaces4future bringen echte Kompetenz mit – aus Planung, Wirtschaft, Technologie, Stadtentwicklung. Was wir als Verein bewusst nicht sind: ein Investor, ein Bauträger, eine Planungsbehörde. Wir arbeiten in Phase minus eins – wir entwickeln das Bild, prüfen die Grundannahmen, bringen die richtigen Akteure zusammen. Die Umsetzung liegt dann bei denen, die das wollen und können. Das ist kein Rückzug – das ist Rollenklarheit. Was wir brauchen, ist kein größeres Team und keine weiteren Studien. Wir haben ein schlagkräftiges Team und klare Ideen. Was wir brauchen, ist Rückenwind: den politischen Willen, neue Nutzungskonzepte ernst zunehmen. Die Bereitschaft der Wirtschaft, früh mitzudenken. Und den Mut, einen ersten konkreten Schritt zu gehen – gemeinsam.
Die ehrlichste Antwort lautet: Konzepte ohne Konsequenz sind wertlos. Deshalb ist unser nächster Schritt kein weiteres Papier – sondern ein konkreter Prozess mit echten Partnern. Wer mitmachen will: Wir sind erreichbar.
Eine persönliche Frage zum Schluss: Was wünschen Sie sich als nächsten Schritt – ganz konkret?
Einen Abend. Ein Gespräch. Ohne Tagesordnung. Ich würde gerne mit Ministerpräsident Lies oder Bildungsminister Mohrs mal einen Kaffee trinken. Oder einen Abend mit den Bürgermeistern der Region zusammensitzen. Oder mit Bundesdigitalminister Wildberger, der gerade selbst sagt, dass Deutschland mehr Rechenpower und mehr Mut braucht. Nicht um einen Vortrag zu halten. Sondern um zu hören: Was halten Sie davon? Wo sehen Sie Anknüpfungspunkte? Was braucht es, damit wir hier gemeinsam Geschwindigkeit aufnehmen können? Ich habe keine Lust mehr, immer wieder von vorne anzufangen. Die Ideen sind da. Das Netzwerk ist da. Das Team ist da. Was fehlt, ist das Gespräch an der richtigen Stelle – mit den Menschen, die in dieser Region wirklich etwas bewegen können. Und ich glaube, das wäre für beide Seiten keine verlorene Zeit.
Wo können Interessierte mehr über spaces4future und MSP38 erfahren?
Am besten direkt auf unserer Website: www.spaces4future.de – dort finden Sie unsere Projekte, unsere Haltung und die nächsten Schritte.
Herr Fels, wir danken Ihnen für das sehr interessante Gespräch und freuen uns auf die nächsten Schritte, über die wir gerne weiter berichten.