AGV U-Tag: Ein starkes Signal für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts

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29.10.2026

Mehr als 350 Gäste erlebten auf drei Bühnen die Innovationskraft der Region.

Unter dem Motto „STANDORT.ZUKUNFT“ stand der AGV U-Tag 2026 am 27. Oktober ganz im Zeichen neuer Technologien, unternehmerischen Wandels und der Zukunftsfähigkeit der Region Braunschweig-Wolfsburg. Mehr als 350 Teilnehmende aus der regionalen Wirtschaft kamen zum diesjährigen Unternehmerinnen- und Unternehmertag (U-Tag) im Schön&Frölich, der ehemaligen Braunschweiger Kultdiskothek Jolly Joker, zusammen. Auf drei Bühnen gaben 13 Speakerinnen und Speaker spannende Einblicke in aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven. Thematisch reichte das Spektrum von Künstlicher Intelligenz und humanoider Robotik über Raumfahrt bis hin zu modernen Arbeitswelten.

„Anstatt pessimistisch auf die aktuelle ökonomische Lage zu schauen, haben wir Branchen aufgezeigt, die Zukunfts- und Wachstumspotentiale bieten“, sagte AGV-Hauptgeschäftsführer Lars Alt. „Richtig ist aber auch, dass wir uns seit einiger Zeit einreden, dass wir uns in einer Strukturkrise befinden und nur ein paar Reformen angehen müssen und schon gehört unsere ökonomische Krise der Geschichte an. Wir übersehen in dieser öffentlichen ökonomischen Debatte, dass wir nicht nur ein Strukturproblem, sondern auch ein Innovationsproblem haben, was wir angehen müssen. Unsere Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind gemessen am BIP mit den USA auf Augenhöhe. Der Output ist es nicht. Das spricht dafür, dass es neue Kennziffern für Innovationserfolge in unserem Land braucht. Hierzu zählt beispielsweise die Anzahl an Ausgründungen aus Forschungsorganisationen und die Anzahl an Arbeitsplätzen, die sie schaffen. Unser Startkapital ist dafür in unserer Region herausragend. Wir müssen es nur stärker nutzen. Und dafür sollte unser Unternehmertag einen Beitrag leisten.“

Zwei Unternehmerinnen, zwei unterschiedliche Perspektiven

Den Auftakt gestalteten zwei Unternehmerinnen, die unterschiedliche Seiten der deutschen Wirtschaft verkörpern: Janna Ensthaler, Seriengründerin, Investorin und bekannt aus der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“, sowie Dina Reit, geschäftsführende Gesellschafterin des Maschinenbauunternehmens SK LASER aus Wiesbaden. Unter dem Leitmotiv „Old Economy meets New Economy“ trafen industrielle Erfahrung und gewachsene Unternehmensstrukturen auf Start-up-Dynamik und innovative Geschäftsmodelle.

Reit machte deutlich, dass gerade der Generationswechsel in Familienunternehmen große Chancen für Veränderungen bietet. „Nachfolge kann ein Transformator sein für ein Unternehmen“, betonte sie. Angesichts des internationalen Wettbewerbs müsse sich die deutsche Wirtschaft mehr auf ihre technologischen Stärken konzentrieren. Im globalen Preiskampf könne Deutschland kaum bestehen, wohl aber mit technischer Exzellenz, Spezialisierung und dem Mut, neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Ensthaler zeigte sich beeindruckt von den Menschen und der wirtschaftlichen Substanz der Region. Fleiß, Verlässlichkeit und Innovationskraft erinnerten sie an eine Art „norddeutsches Schwabenland“. Gleichzeitig mahnte sie mehr Entschlossenheit und Geschwindigkeit bei unternehmerischen Entscheidungen an. Gerade im Vergleich zu den USA, wo Kapital für Innovationen schneller mobilisiert werde und neue Ideen häufig konsequenter umgesetzt würden, müsse Deutschland progressiver denken und stärker ins Handeln kommen.  Unternehmerinnen und Unternehmer müssten aus ihrer Sicht ihre Interessen selbstbewusster vertreten und politische Veränderungen deutlicher einfordern.

Die TV-Journalistin und Moderatorin Laura Kipfelsberger führte souverän durch das Programm auf der Hauptbühne, leitete die Talkrunden und bezog das Publikum mit Fragen aktiv in die Diskussionen ein.

Innovationen aus der Region: Von humanoider Robotik bis in den Weltraum

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung standen Zukunftstechnologien und ihre wirtschaftlichen Einsatzmöglichkeiten im Fokus. Dr. Lars Heim, Mitgründer des Braunschweiger Unternehmens Aeon Robotics, zeigte, wie Künstliche Intelligenz und feinfühlige Robotik neue Möglichkeiten für die industrielle Automatisierung eröffnen. Gerade dort, wo klassische Automatisierung bislang an ihre Grenzen stößt, können humanoide Robotersysteme künftig neue Aufgaben übernehmen.

Einen Blick über die Region hinaus warf Kai Höfner, Gründer und CEO von GAIA Aerospace. Unter dem Titel „Von Braunschweig ins All“ beleuchtete er die strategische Bedeutung der Raumfahrt für Kommunikation, Navigation und Sicherheit. Zugleich verdeutlichte er, welche Chancen sich für Braunschweig als Forschungs- und Technologiestandort in diesem wachsenden Markt ergeben.

Wie sich Unternehmen in einer zunehmend KI-geprägten digitalen Welt erfolgreich positionieren können, erläuterte Luca Block. Der ehemalige Braunschweiger Automobilunternehmer ist heute Unternehmensberater und Content Creator mit rund einer Million Followern. Sein Vortrag zu KI-Suche, LinkedIn und digitaler Sichtbarkeit zeigte, wie grundlegend sich die Wege verändern, auf denen Unternehmen von Kunden und potenziellen Fachkräften gefunden werden.

Transformation braucht Technologie und Menschen

Auch die Energie- und Technologiewende war ein wichtiges Thema. Beim Clean Tech Talk der Regionalen EnergieAgentur diskutierten Carina Heidermann von LB.systems, Christoph Siegfried von NBank Capital und Niklas Krüger von der Regionalen EnergieAgentur über neue Geschäftsmodelle, Finanzierungsmöglichkeiten und Wachstumschancen im Bereich klimafreundlicher Technologien.

Wie Künstliche Intelligenz bereits heute im Mittelstand wirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden kann, verdeutlichten Jana Schendel von i³systems, Rebecca Labes von eck*cellent IT und David Gillmeister von AXA Gillmeister & Kollegen. Anhand konkreter Beispiele aus der Unternehmenspraxis zeigten sie, wie KI Arbeitsabläufe vereinfachen, Prozesse effizienter gestalten und messbaren wirtschaftlichen Mehrwert schaffen kann.

Dass die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen nicht allein von technologischen Innovationen abhängt, zeigte der Beitrag von Mast-Jägermeister. Kai-Steffen Knopf und Florian Hiller gaben unter dem Titel „From Best Nights to Best Working Experiences“ Einblicke, wie das international erfolgreiche Unternehmen seine Markenidentität in die Arbeitswelt überträgt und mit moderner Personalarbeit die Unternehmenskultur und Arbeitgeberattraktivität stärkt.

Gemeinsam die Zukunft des Standorts gestalten

Neben den Vorträgen bot der AGV U-Tag in seiner inzwischen 19. Ausgabe viel Raum für den persönlichen Austausch. Auf der Partnerfläche U-CONNECT, in der Netzwerkecke und beim abschließenden Netzwerk-Lunch nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen auszutauschen. Die Veranstaltung zeigte zugleich, wie viel Innovationskraft im Zusammenspiel von Industrie, Mittelstand, Forschung und Start-ups in der Region Braunschweig-Wolfsburg steckt. Entscheidend wird sein, diese Stärken noch enger miteinander zu vernetzen und mit den richtigen politischen Rahmenbedingungen in neue Geschäftsmodelle, Investitionen und Arbeitsplätze zu übersetzen.

 
AGV-Hauptgeschäftsführer Lars Alt
Dina Reit, CEO SK Laser
Janna Ensthaler, Investorin ("Höhle der Löwen")
Moderatorin Laura Kipfelsberger im Talk mit Dina Reit und Janna Ensthaler
Weitere Impressionen des AGV U-Tags 2026: 

Fotos: Ela Walentek (AGV) & Maik Reepschläger