Einblicke in die Fachkräftegewinnung aus einer Krisenregion.
Eigentlich sollte dieser Newsletter-Beitrag vor allem ein Praxisbeispiel für erfolgreiche internationale Fachkräftegewinnung sein. Doch die aktuellen Ereignisse im Nahen Osten haben den ursprünglichen Kontext dieses Artikels eingeholt. Der Krieg in der Region verschärft die Situation und die Ausgangslage der Menschen vor Ort, die ihre berufliche Zukunft im Ausland suchen. Welche Folgen die aktuellen Entwicklungen für unsere Wirtschaft, den Arbeitsmarkt und die internationale Mobilität haben werden, lässt sich ohnehin kaum abschätzen.
Sicher ist jedoch: Viele Menschen im Iran blicken mit Sorge in die Zukunft. Wie lange dauern die Kämpfe an? Wer wird im Land künftig das Sagen haben? Werden sich die Repressionen gegen kritische Stimmen weiter verschärfen? Oder kommt es zu einem politischen Umbruch, der neue Perspektiven eröffnet? Wirtschaftliche Probleme, hohe Inflation, internationale Sanktionen und eingeschränkte berufliche Perspektiven prägen ohnehin seit Jahren den Alltag vieler Menschen und gut ausgebildeter Fachkräfte im Iran. In dieser Situation wächst bei zahlreichen qualifizierten Menschen der Wunsch nach stabilen beruflichen Perspektiven – unter anderem in Deutschland.
Iranische Staatsangehörige arbeiten in Deutschland nach Angaben des IW Köln überdurchschnittlich häufig in sogenannten MINT-Berufen – also etwa als Ingenieure, IT-Spezialisten oder Naturwissenschaftler. Genau diese Bereiche gehören ebenso wie Pflege- und Gesundheitsberufe zu den größten Engpassfeldern auf dem deutschen Arbeitsmarkt.
Insgesamt sind laut Zahlen der Bundesagentur für Arbeit derzeit rund 77.000 iranische Staatsangehörige in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt – ein deutliches Zeichen für die wachsende Bedeutung dieser Zielgruppe.
Unser Mitgliedsunternehmen, die Braunschweiger Agentur GermanJobConnect, versteht sich dabei als „Brücke zu einer erfolgreichen Karriere in Deutschland“ und verfolgt das Ziel, „Menschen und Möglichkeiten zu verbinden“. Geschäftsführerin Narges Glochin erläuterte im AGV-Interview, wie dieser Weg konkret funktioniert.
AGV: Erzählen sie uns mehr über das Geschäftsmodell von GermanJobConnect?
GermanJobConnect bringt internationale Fachkräfte und Auszubildende gezielt mit deutschen Unternehmen oder Einrichtungen aus sämtlichen Branchen zusammen und steuert den gesamten Prozess. Durch einen strukturierten, unterstützten Vorauswahlprozess und eine zuverlässige Begleitung bis zur nachhaltigen Integration schaffen wir planbare Lösungen für Unternehmen und Talente. Unser Geschäftsmodell basiert auf Qualität, Transparenz und nachhaltiger Partnerschaft: Unternehmen gewinnen planbar passende Talente, und wir reduzieren den bürokratischen Aufwand für Unternehmen auf ein Minimum. Internationale Fachkräfte und Auszubildende erhalten einen sicheren Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. So entstehen langfristige Perspektiven für alle Beteiligten.
AGV: Wie können sie vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse ihren Landsleuten helfen?
Keine Frage, die aktuelle Lage im Iran ist angespannt, und viele Menschen fragen sich, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist, über eine berufliche Zukunft in Deutschland nachzudenken. Wir sprechen darüber offen und ehrlich. Trotz der Herausforderungen erleben wir täglich, wie leidenschaftlich und motiviert viele Fachkräfte daran arbeiten, sich eine stabile berufliche Zukunft in Deutschland aufzubauen – etwas, das ihnen im Iran oft nicht möglich ist. Als gebürtige Iraner, die im Iran aufgewachsen sind und dort studiert haben, kennen wir die Situation sehr genau und wissen, welche Hürden unsere Kandidatinnen und Kandidaten überwinden müssen. Gerade deshalb begleiten wir sie mit besonderer Verantwortung und persönlichem Engagement. Sie sind auf unsere Unterstützung angewiesen, und wir helfen ihnen auch unter diesen schwierigen Umständen.
AGV: Wie machen sie ihre Arbeit, in Zeiten, in denen Kommunikation und Reisemöglichkeiten stark eingeschränkt sind?
Wir versuchen, die aktuelle Zeit sinnvoll zu nutzen, bleiben in Kontakt, wann immer dies möglich ist. Außerdem schaffen wir bereits im Vorfeld eine gute Grundlage mit den Arbeitgebern: Wir klären Anforderungen, bauen klare Strukturen auf und bereiten Prozesse vor, damit alles sofort starten kann, sobald es die Rahmenbedingungen erlauben. Unser Ziel bleibt dabei immer dasselbe – sichere, planbare Perspektiven für Unternehmen und für Menschen, die mit großer Leidenschaft nach Deutschland kommen möchten. Mit unserer durchdachten und frühzeitigen Planung können wir eine rechtzeitige Einreise nach Deutschland für unsere Klienten sicherstellen.
AGV: Wie läuft eine Vermittlung vom Erstkontakt bis zur Arbeitsaufnahme konkret ab?
Zunächst klären wir gemeinsam mit dem Unternehmen den Personalbedarf und die fachlichen Anforderungen. Anschließend wählen wir geeignete Kandidatinnen und Kandidaten aus und begleiten die Anerkennung ihrer Abschlüsse, die Organisation von Online-Vorstellungsgesprächen, das Visumverfahren – inklusive des beschleunigten Fachkräfteverfahrens – sowie die Wohnungssuche. Nach der Einreise unterstützen wir beim Flughafentransfer, durch ein strukturiertes Onboarding-Programm, bei Behördengängen, bei Deutschkursen und weiterer Sprachförderung sowie beim Familiennachzug. Unsere Betreuung endet nicht mit der Arbeitsaufnahme, sondern umfasst auch die weitere Integrationsphase, um nachhaltige Beschäftigungsverhältnisse zu sichern.
AGV: Was müssen Unternehmen mitbringen, wenn sie mit ihnen zusammenarbeiten möchten?
Unternehmen, die mit GermanJobConnect zusammenarbeiten möchten, sollten offen für internationale Fachkräfte und Auszubildende sein und bereit, ihre Anforderungen an Qualifikationen, Berufserfahrung und Sprachkenntnisse klar zu kommunizieren. Damit Fachkräfte rechtzeitig nach Deutschland kommen, muss das Visumverfahren sorgfältig im Vorfeld geplant werden. Um Wartezeiten zu verkürzen, kann bei Bedarf das beschleunigte Fachkräfteverfahren (§ 81a AufenthG) genutzt werden – so stellen wir sicher, dass Unternehmen die passenden Talente pünktlich erhalten und nahtlos einarbeiten können.
AGV: Welche Kosten entstehen für Arbeitgeber bzw. für Bewerberinnen und Bewerber?
Für Arbeitgeber richten sich die Kosten nach Art und Umfang der Vermittlungsleistung und werden individuell vereinbart. Für Bewerberinnen und Bewerber können im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben in Deutschland mögliche Kosten anfallen, beispielsweise für freiwillige zusätzliche Dienstleistungen wie die Wohnungssuche. Wir stellen sicher, dass alle Vorgaben eingehalten werden und keine überhöhten Gebühren entstehen.
AGV: Wo lagen für sie seither die besonderen Herausforderungen im Vermittlungsprozess?
Die Vermittlung iranischer Fachkräfte erfordert eine sorgfältige Planung und strukturierte Organisation – insbesondere bei Anerkennungsverfahren und der Visumerteilung. Politische Rahmenbedingungen und die Situation bei Botschaften können Abläufe verzögern. Die deutsche Bürokratie ist komplex, doch durch die neuen gesetzlichen Erleichterungen in Deutschland sind die Verfahren planbar und sicher. Mit sorgfältiger Vorbereitung und enger Abstimmung zwischen Unternehmen, Fachkraft und GermanJobConnect lassen sich die Prozesse erfolgreich umsetzen.
AGV: Wie stellen sie sicher, dass die Integration im Unternehmen langfristig gelingt?
Fachkräfte und Auszubildende, die nach Deutschland kommen, benötigen in den ersten Monaten intensive persönliche Unterstützung – idealerweise in ihrer Muttersprache. Die Begleitung sollte von jemandem kommen, der weiß, wie sich der Weg anfühlt – und genau hier setzen wir an: Als gebürtige Iraner kennen wir sowohl die iranische Kultur als auch die deutsche. Wir begleiten unsere Fachkräfte und Auszubildenden sowohl im Berufsleben als auch im privaten Alltag, bis sie ihre Routinen in Deutschland sicher etabliert haben. Nur so kann Integration wirklich nachhaltig gelingen, denn jedes Land hat andere Sitten und Abläufe. Gerade am Anfang brauchen Fachkräfte und Auszubildende mehr Unterstützung, um sich voll einzuleben und langfristig erfolgreich zu sein. Sollten Herausforderungen zwischen Arbeitgebern und unseren Klienten auftreten, springen wir ein und unterstützen aktiv, um Lösungen zu finden und den Integrationsprozess zu sichern.
Haben Sie weitere Fragen?
GermanJobConnect | Ali Amerinia Narges Golchin GbR | E-Mail: info@germanjobconnect.de