Frühstücksformat liefert spannende Erkenntnisse zu Chat GPT & Co.
Beim jüngsten HR Early Bird im Haus der Wirtschaft stand ein Thema im Mittelpunkt, das die Arbeitswelt derzeit so stark prägt wie kaum ein anderes: Künstliche Intelligenz. Rund drei Stunden lang tauschten sich Personalverantwortliche und Unternehmensvertreter am 12. März 2026 darüber aus, welche Auswirkungen KI bereits heute auf den Arbeitsmarkt hat – und wie sie im Recruiting sinnvoll eingesetzt werden kann.
Der Morgen begann, wie gewohnt, mit einem gemeinsamen Frühstück und der Möglichkeit zum Netzwerken. Im Anschluss begrüßte Dominique Moré-Jones, Bereichsleitung HR, Recruiting & Employer Branding beim AGV, die Teilnehmenden und führte in das Thema ein. Zwei Impulsvorträge gaben anschließend praxisnahe Einblicke in aktuelle Entwicklungen und konkrete Anwendungsfelder.
KI verändert den Arbeitsmarkt bereits heute
Den ersten Impuls lieferte der Unternehmer und KI-Experte Sascha Hummel. In seinem Vortrag „Auswirkungen der KI auf den Arbeitsmarkt im Jahr 4 nach ChatGPT“ zeichnete er ein realistisches Bild der Veränderungen, die sich bereits jetzt in vielen Branchen abzeichnen.
Hummel machte deutlich, dass KI längst nicht mehr nur ein Zukunftsthema ist. In verschiedenen Bereichen – etwa in Callcentern, der Verwaltung, im Mediensektor oder in Finanz- und Versicherungsdienstleistungen – führe Automatisierung bereits zu strukturellen Veränderungen. Gleichzeitig entstünden neue Aufgaben und Rollen, während Produktivität und Effizienz vieler Prozesse deutlich steigen.
Ein zentraler Punkt seines Vortrags war der Wandel der Anforderungen an Mitarbeitende. Zunehmend gehe es weniger darum, Aufgaben selbst auszuführen, sondern intelligente Systeme zu steuern, zu bewerten und sinnvoll einzusetzen. Fähigkeiten wie kritisches Denken, Datenkompetenz oder das Prüfen von KI-Ergebnissen gewännen deshalb an Bedeutung.
Auch die regulatorische Dimension spielte eine Rolle: Mit Blick auf den EU AI Act betonte Hummel, dass Unternehmen künftig stärker in die Qualifizierung ihrer Mitarbeitenden investieren müssen. Lernkultur und kontinuierliche Weiterbildung seien entscheidende Faktoren, um den Einsatz von KI sicher und produktiv zu gestalten.
Beim Thema Fachkräftemangel zeichnete er ein differenziertes Bild. KI könne in bestimmten Bereichen Engpässe entschärfen – etwa durch Automatisierung administrativer Tätigkeiten. Gleichzeitig entstehe jedoch eine wachsende Nachfrage nach Mitarbeitenden mit KI-Kompetenzen. Für viele Unternehmen bedeute dies vor allem eines: eine strategische Weiterentwicklung ihrer Personal- und Lernkonzepte.
KI im Recruiting: Zwischen Möglichkeiten und Verantwortung
Im zweiten Impulsvortrag richtete Peter Hoffmann, Gründer der Recruiting-Beratung RecNG, den Blick auf den praktischen Einsatz von KI im Recruiting. Sein Vortrag „Zwischen Hype und Praxis: KI im Recruiting“ setzte bewusst auf Orientierung statt auf Tool-Empfehlungen.
Zu Beginn stellte Hoffmann die rechtlichen Rahmenbedingungen in den Vordergrund. Recruiting-Systeme könnten im Kontext des EU AI Act als Hochrisiko-Anwendungen eingestuft werden, weshalb klare Regeln gelten. Besonders wichtig sei dabei das Prinzip „Human in the Loop“: Die finale Entscheidung über Einstellungen müsse immer beim Menschen bleiben. Transparenz im Umgang mit KI-gestützten Verfahren könne zudem das Vertrauen von Bewerbenden stärken.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Qualität von Recruiting-Software. Hoffmann betonte, dass Sprachmodelle allein noch kein Recruiting-Tool darstellen. Erst das Zusammenspiel von Daten, klaren Prozessen und strukturierten Workflows ermögliche eine fundierte Analyse und sichere Entscheidungsgrundlagen.
Als praktisches Beispiel stellte er das Konzept des skill-basierten Recruitings vor. Mithilfe von KI lasse sich zunächst ein fundiertes Kompetenzprofil erarbeiten, das anschließend gemeinsam mit dem Fachbereich geschärft werde. Dadurch könnten Anforderungen präziser formuliert und Stellenanzeigen deutlich passgenauer gestaltet werden.
Auch für den HR-Alltag gab Hoffmann den Teilnehmenden konkrete Denkanstöße mit auf den Weg. So könne KI beispielsweise genutzt werden, um große Mengen an Arbeitgeberbewertungen – etwa auf Plattformen wie kununu – schnell zu analysieren und daraus Hinweise auf kulturelle Themen oder Recruiting-Hürden abzuleiten.
Austausch und Praxisimpulse für HR-Verantwortliche
Die beiden Vorträge machten deutlich: Künstliche Intelligenz verändert Arbeitsmarkt und Personalgewinnung bereits spürbar – zugleich eröffnet sie neue Möglichkeiten für Unternehmen. Entscheidend sei dabei ein reflektierter und verantwortungsvoller Umgang mit den Technologien. Beim anschließenden Austausch nutzten viele Teilnehmende die Gelegenheit, Fragen zu stellen und Erfahrungen aus ihren eigenen Unternehmen einzubringen.
Mit zahlreichen neuen Impulsen für den praktischen Einsatz von KI im HR-Kontext endete der HR Early Bird gegen Mittag – und hinterließ bei den Gästen vor allem eines: eine klarere Orientierung im Spannungsfeld zwischen technologischem Fortschritt und verantwortungsvoller Personalarbeit.
Hier einige Impressionen der Veranstaltung:
Fotos: Marc Stantien für den AGV