Ein regionales IT-Ökosystem mit globalem Anspruch
Der IT-Mittelstand in der Region soll wieder „gewerkfähig“ werden – so formulieren es Stina Ehrecke und Uwe Lambrecht, die beiden Chief Executive Officers der ITUC GmbH und Gründungsmitglieder von niedersachsen.OS. Hinter dem Namen verbirgt sich kein klassisches Unternehmen, sondern ein wachsendes IT-Ökosystem, das regionale Kompetenzen bündelt und Niedersachsen überregional als Digitalisierungs- und Innovationsstandort positionieren will.
Den Grundstein für niedersachsen.OS legten neben der ITUC GmbH, die TEQYARD GmbH, die Borek Worldwide Solutions Group sowie die TRAFO Hub GmbH Braunschweig. Gemeinsam bilden sie das initiale Kern-Ökosystem, aus dem heraus das Netzwerk heute weiter skaliert und kontinuierlich neue Partner integriert. „niedersachsen.OS ist im Grunde das Betriebssystem für die Region“, sagt Ehrecke. Das Netzwerk versteht sich als ökosystemische Plattform, lokal verankert und global vernetzt. Als schlanke, hybride Struktur bringt niedersachsen.OS IT-Unternehmen zusammen, die jenseits klassischer Wettbewerbslogik kooperieren und gemeinsam Projekte realisieren – offen, verlässlich und skalierbar.
Der TRAFO Hub spielt dabei eine besondere Rolle. Für die Initiatoren ist er Teil der sogenannten „Head Unit“ von niedersachsen.OS und dient als physischer Knotenpunkt für Austausch und Vernetzung – mit Partnerunternehmen, Start-ups, Hochschulen und politischen Akteuren. „Wir wollen hier bewusst Silos aufbrechen: Wirtschaft, Wissenschaft, Mittelstand, Forschung und Politik zusammenbringen“, so Lambrecht. Die Büros im TRAFO Hub stehen dabei nicht nur dem Kernteam, sondern auch Mitarbeitenden der Partnerunternehmen als flexibler Arbeits- und Begegnungsort zur Verfügung.
8.000 Expertinnen und Experten – Tendenz steigend
Aktuell stehen dem Netzwerk bereits mehr als 8.000 Mitarbeitende aus verschiedenen Partnerunternehmen zur Verfügung. „Wir agieren mit dem Tempo eines Start-ups, aber mit fast 30 Jahren bei ITUC gesammelter Unternehmenserfahrung“, beschreibt Lambrecht den Ansatz. Die Kernkompetenzen liegen in der IT: Softwareentwicklung, Data Analytics, Embedded Systems, Sensorik, Robotik, KI und Business-Applikationen.
Gleichzeitig verfolgt niedersachsen.OS bewusst einen interdisziplinären Ansatz. Neben klassischen IT-Firmen gehören auch Engineering- und Maschinenbaupartner zum Verbund. „Viele Anforderungen lassen sich heute nicht mehr rein digital lösen. Es braucht IT, Engineering und Automatisierung im Zusammenspiel“, so Ehrecke.
Ein wesentliches Merkmal von niedersachsen.OS ist die Verbindung aus regionaler Verwurzelung und internationaler Reichweite. Über Partner wie die Borek Solutions Group verfügt das Netzwerk über Entwicklungsstandorte unter anderem in Deutschland, Indien und im Kosovo. „100 % local – 100 % global ist für uns kein Claim, sondern gelebte Praxis“, heißt es aus dem Netzwerk. Wichtig sei dabei die bewusste Standortwahl: keine anonymen Groß-Hubs mit hoher Fluktuation, sondern stabile Teams in Universitätsregionen mit langfristiger Perspektive und hoher Zuverlässigkeit.
Keine Konkurrenz, sondern kuratiertes Matchmaking
Trotz der Vielzahl an beteiligten Unternehmen sieht niedersachsen.OS keine interne Konkurrenz. „Großprojekte kann heute niemand mehr allein stemmen“, sagt Lambrecht. „Gemeinsam entstehen Projektkonstellationen, die auch bei Konzernen kritische Anforderungen zuverlässig erfüllen.“ Das Prinzip: kuratiertes Matchmaking. Die passenden Partner werden gezielt zusammengeführt, Newcomern wird aktiv der Zugang ermöglicht. Bereits umgesetzt wurden unter anderem große Projektcluster im Automotive-Bereich, bei denen über 100 Fachkräfte aus zwölf Partnerunternehmen gemeinsam an hochkritischen IT-Projekten arbeiten.
Ein zentrales Selbstverständnis des Netzwerks ist die Wirtschaftsethik. Vertrauen, Transparenz und Fairness gelten als Grundvoraussetzung für die Zusammenarbeit. Darüber hinaus engagiert sich niedersachsen.OS sozial, unter anderem in einer langfristigen Partnerschaft mit dem Verein BE YOUR OWN HERO, der Bildungsprojekte in Südafrika unterstützt. „CSR ist für uns kein Marketinginstrument, sondern Teil unserer Identität“, betont Ehrecke. Ziel sei es, technologische Exzellenz mit gesellschaftlichem Anspruch zu verbinden.
Auch Künstliche Intelligenz ist fester Bestandteil des Netzwerks – allerdings mit klarer Haltung. „Viele verstehen unter KI nur intelligente Datensortierung“, sagt Lambrecht. „Echte KI ist mächtig – und muss verantwortungsvoll eingesetzt werden.“ Ziel sei es, insbesondere in anderen Branchen Mitarbeitenden die Angst zu nehmen und KI als Unterstützung zu etablieren, nicht als Ersatz.
niedersachsen.OS als Keimzelle für ein selbstbewusstes Europa
Über die regionale Perspektive hinaus verstehen die Gründer niedersachsen.OS auch als Beitrag zu einem technologisch souveränen Europa. In einer Zeit, in der digitale Infrastrukturen, KI-Systeme und Plattformökonomien zunehmend von wenigen globalen Playern dominiert werden, setzt das Netzwerk bewusst auf eigene Kompetenzräume. „Wir müssen begreifen, dass digitale Unabhängigkeit kein politisches Schlagwort ist, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit“, sagt Lambrecht. „Wenn kritische Systeme, Daten und Innovationskraft dauerhaft außerhalb Europas entstehen, verlieren wir Gestaltungsmacht.“ niedersachsen.OS wolle hier im Kleinen zeigen, wie es anders gehen kann: durch regionale Wertschöpfung, offene Kooperationsmodelle und den gezielten Aufbau von Know-how in europäischen Teams.
Nicht als Gegenmodell zum Silicon Valley, sondern als eigenständiger Ansatz, der auf Vielfalt, Mittelstand und langfristige Partnerschaften setzt. „Wir sind keine Bewegung, die Europa retten will“, relativiert Ehrecke. „Aber wir sind eine Keimzelle, die zeigt, dass man sein Schicksal selbst in die Hand nehmen kann – technologisch, organisatorisch und kulturell.“ Entscheidend sei dabei vor allem eine neue Aufbruchsstimmung: der Mut, bestehende Strukturen zu hinterfragen und Veränderungen aktiv zu gestalten.
Damit steht niedersachsen.OS exemplarisch für einen neuen Typ von Innovationsstruktur: dezentral, vernetzt, resilient – und gerade deshalb skalierbar. Nicht über Größe, sondern über Zusammenarbeit. Wir als Arbeitgeberverband Region Braunschweig freuen uns, diese Entwicklung zu begleiten und damit einen weiteren Baustein für einen starken und zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort sichtbar zu machen.
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Info-Broschüre | niedersachsen.os – lokal verankert, global vernetzt | pdf