AGV-Konjunkturumfrage: Stimmung in der Wirtschaft bleibt verhalten

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15.01.2026

Starke Region, gedämpfte Erwartungen!

Viele mittelständische Unternehmen in der Wirtschaftsregion Braunschweig-Wolfsburg blicken auch für 2026 mit Sorge auf die wirtschaftliche Entwicklung. Das zeigt die neueste Konjunkturumfrage des Arbeitgeberverbandes Region Braunschweig, an der sich zuletzt rund 400 Mitgliedsunternehmen beteiligt haben. Zwar wird der Standort insgesamt positiv bewertet, doch zahlreiche Betriebe zweifeln daran, dass angekündigte wirtschaftspolitische Reformen tatsächlich spürbar bei ihnen ankommen. Verstärkt wird diese Skepsis durch die angespannte weltpolitische und gesamtwirtschaftliche Lage.

Positiv ist, dass immerhin rund 66 Prozent der befragten Unternehmen Deutschland weiterhin für einen guten Wirtschaftsstandort halten. Für die Wirtschaftsregion Braunschweig-Wolfsburg fällt die Bewertung sogar noch besser aus: 75 Prozent der Betriebe sehen die Region38 als attraktiven Wirtschaftsstandort. Ausschlaggebend sind aus Sicht der Unternehmen vor allem die starken industriellen Strukturen, die hohe Forschungs- und Entwicklungsdichte sowie das enge Zusammenspiel von Wirtschaft und Wissenschaft bei zugleich gut ausgebauter Infrastruktur. AGV-Hauptgeschäftsführer Lars Alt unterstreicht diese Einschätzung, mahnt jedoch zugleich politische Verlässlichkeit an: „Wenn Deutschland und die Region wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückkehren sollen, braucht es vor allem eines: verlässliche, wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. Wachstum entsteht nicht durch Appelle, sondern durch Investitionen – und Investitionen brauchen Planungssicherheit.“

Gleichzeitig überwiegt beim Blick in die Zukunft deutlich die Skepsis: Rund 72 Prozent der Unternehmen blicken sowohl auf die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands als auch der Region bis zum Ende des Jahrzehnts eher pessimistisch.

AGV-Hauptgeschäftsführer Lars Alt

Kosten, Bürokratie und internationale Unsicherheiten bremsen Investitionen

Die aktuelle Geschäftslage wird überwiegend als durchwachsen eingeschätzt. 25 Prozent der befragten Unternehmen bezeichnen ihre Situation als gut, 46 Prozent als befriedigend und 27 Prozent als schlecht; der Rest machte keine Angaben. Für die kommenden zwölf Monate erwarten die meisten Betriebe eine Stagnation: Rund 48 Prozent rechnen mit einer befriedigenden Geschäftsentwicklung, während rund 24 Prozent von einer Verbesserung und 23 Prozent von einer Verschlechterung ausgehen. Auch am Arbeitsmarkt zeigt sich Zurückhaltung. Fast die Hälfte der Unternehmen plant, ihr Beschäftigungsniveau zu halten. Bei rund 20 Prozent der Betriebe lassen sich Stellenstreichungen vermutlich nicht vermeiden. Demgegenüber stehen jedoch 27 Prozent der Unternehmen, bei denen Neueinstellungen wahrscheinlich sind. Unverändert bleibt die strukturelle Schieflage: Während Industriearbeitsplätze unter Druck geraten, leiden insbesondere das Handwerk und die Sozialwirtschaft weiterhin unter einem Mangel an Fachkräften.

78 Prozent der Unternehmen rechnen mit steigenden Bürokratiekosten, 85 Prozent erwarten zusätzliche steuerliche oder sozialversicherungsrechtliche Belastungen und 62 Prozent gehen von weiter steigenden Energiekosten aus. Diese Belastungen wirken unmittelbar investitionshemmend. Knapp ein Drittel der Unternehmen plant für 2026 eine Senkung des Investitionsbudgets, lediglich rund 20 Prozent wollen mehr investieren. Um dieser Investitionszurückhaltung zu begegnen, betont Alt: „Auf Bundesebene ist eine konsequente Entlastung der Unternehmen erforderlich – steuerlich, bürokratisch und bei den Energiepreisen. Die Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft wird nur gelingen, wenn sie industriepolitisch begleitet wird und nicht zu einem dauerhaften Standortnachteil führt. Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.“

Lichtblicke trotz angespannter Gesamtlage

Trotz der insgesamt verhaltenen Stimmung gibt es auch positive Signale. Die jüngsten Höchststände des DAX zeigen, dass international tätige Unternehmen weiterhin erfolgreich sind – wovon auch regionale Zulieferer und Dienstleister profitieren können. Zudem stehen den gestiegenen Firmeninsolvenzen zahlreiche Neugründungen gegenüber. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahr 2025 mehr Start-ups gegründet als Betriebe aufgegeben, getragen unter anderem durch den anhaltenden KI-Boom. Auch die Region38 profitiert von einer lebendigen Start-up-Szene, begünstigt durch die enge Anbindung an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Für die Region Braunschweig-Wolfsburg kommt allerdings hinzu, dass sie sich in einem tiefgreifenden Strukturwandel befindet. Die starke industrielle Prägung – insbesondere im automobilen Umfeld – ist zugleich Chance und Herausforderung, sagt Alt: „Wachstumsperspektiven liegen in der intelligenten Verbindung von Industrie, Forschung und Digitalisierung, in der Nutzung regionaler Innovationscluster und in einer stärkeren Vernetzung von Mittelstand, Wissenschaft und Start-ups.“

Auch der Faktor Arbeit gewinnt für die Zukunftsfähigkeit des Standorts zunehmend an Bedeutung. Alt verweist auf den Wandel der Arbeitsmärkte: „Arbeitgeberattraktivität ist heute kein ‚weiches‘ HR-Thema mehr, sondern ein strategischer Faktor wirtschaftlicher Resilienz. Unternehmen, die es schaffen, Vertrauen, Perspektiven und Stabilität zu vermitteln, sichern sich nicht nur Fachkräfte, sondern auch Loyalität, Innovationsfähigkeit und Anpassungsbereitschaft.“

Als regionaler Arbeitgeberverband begleitet und unterstützt der AGV seine Mitgliedsunternehmen aktiv dabei, sich in diesem anspruchsvollen Umfeld auch 2026 erfolgreich zu behaupten. Ziel bleibt es, die Wettbewerbsfähigkeit der Region zu stärken und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Investitionen, Innovationen und Beschäftigung langfristig gesichert werden.